Gefalljucht =“ Gefühl, Gefühlsvermögen, 417
ſollte, Man reiſe nur durch Tyrol, und man wird dieſe Behauptung
nicht einen Augenblick bezweifeln.
Gefallſu wird, welche mit dem Bewußtſeyn eines reinen Sinnes, geordneter
Neigungen und eines durchaus guten Willens innig zuſammenhängt,
darf auch Achtung von Andern gefordert werden, zumal man ſich be-
müht, ſole durch ſtrenge Zucht und hohe Sittſamkeit zu verdienen,
Durd) dieſe Selbſtachtung wird dem natürlichen Hange zur Gefall-
ſucht , der ſich gewöhnlich Yehr frühe regt, jc Micht ausgerottet, ſagt Niemeyer, wohl aber veredelt werde dieſer
ſo ſtarke und fo den. Durch wahre Aufhellung der Begriſfe über das, was allein lie-
benöswürdig iſt, reinige ſich dieſer Wunſc<, und gehe in das Beſtreben
über, nur dur<> Tugend , Würde und Armuth, und vor allen Dingen
durch fromme Demuth (reine Natur) denen allein gefallen zu wollen,
die Strnn dafür haben. Dieſ iſt zugleich das einzige Mittel, die Liebe,
wenn ſie erwacht, vor Verirrungen zu ſichern. Echte Religtoſität,
die ſclbjt der Spötter des Heiligen in dem weiblichen Geſchlec und achten muß, unterſtüßke das ſittliche Geiühl. Sie bleibe gleich
fern von Forſchung überſinnlicher Dinge, von ſchimmernder Andacht,
die ſich zur Schau trägt, und von jenen trügeriſchen Exaltattonen
(Geiſtesüberſpannung) eines nicht einmal immer ſittlich reinen My-
ſticismus der neueſten Zeit. Sie fey Sache des Herzens und wahrer
Ewpfindung. Dex frwole Geiſt der Zeit mag ihrer ſpotten, ſo lange
er will, er ſpottet im Lichte betrachtet nur ſich ſelbſt. Wenn Gleich-
gültigkeit gegen das Heilige einreißt, dann werden auch unter dem
weiblichen Geſchlechte die Ausſichten für eine beſſere Erztehung des
künftigen Geſchlec)tes immer trüber werden. Wenn keine frommen
Mutter mehr erziehen, dann mag wohl der Himmel weinen über die
Erziehung, (S. auch Art, Eitelkeit.)
Gefühl, Gefühlsvermdgen. Das Gefühl iſt voie erſte
anmitrelbare Ankündigung unſers Daſeyns überhaupt, ſo wie unſers
jedesmaligen Zuſtandes, und insbeſondere unſerer Perſönlichkeit,
Das Gefühlövermdgen iſt demnach die Fähigkeit, uns unyrer ſelbſt
und unſerer Zuſtände unmittelbar bewußt zu werden. *) Das Ge-
fühl iſt entweder ein Gefühl der Luſt oder der Unluſt, und wird
beſtimmt 1) durch die Eindrücke auf die änßern Sinne, und 2) durch
die Eindrücke auf den innern Sinn, aljov dur< Gebilde der Ein-
bildungskraft, durch Vorſtellungen , Begriffe und Ideen , welche nur
innerlich wahrgenommen werden können. -= Nach den verſchiedenen
Eindrücken, mit denen das Gefühlsvermögen zuſammenhänzt, unter-
ſcheiden wir a) das ſinnliche Gefühl, bh) das [ympathetijche
(Mit- oder Gymeingefühl), c) das äſthetiſche (Schdnheitsgeſfühl),

<) Es muß hier Gefühl und Empfindung unterſchirden weiden, inſo»
fern Empfindung j-desmal einen Gegenſtand außerhalb unſers Jhs vor:
aus ſeßt, der auf uns efnwirktz das Gefühl» aber in dem Bewußtſeyn
des Zuſtandes beſteht, in welchen unſer I< dadurch verſeht wird,
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