34 Anſehen und Achtung =- Anſtändigkeit.
iſt , vor die äußere Anſchauung zu bringen. Es kommt nun darauf
an, daß auch die Uebung des innern Sinnes, der ſich auf die eig-
nen innern Seelenzuſtände richtet, zwe>mäßig betrieben werde, zumal
der Mangel einer ſolchen Uebung großen Antheil daran hat, daß ſelbſt
die Religions - und Sittenlehren im Allgemeinen ſo wenig nachhaltig
auf die jugendlichen Gemüther wirken. Der Lehrer führe die Kinder
daher genügend in ſich ſelbſt zurück , er mache ſie mit ihrem eigenen
Herzen bekannt, er laſſe ſie die Quelle ihrer Neigungen, Gewohnhei-
ten, Handlungen, Leidenſchaften 26. erforſchen, und die edlere Kraft
erkennen, durch welche dev Menſch mit dem Beiſtande des Himmels
im Stande iſt, ſich ſelbſt zu beherrſchen, ſeine Neigungen zu zügeln,
Gleichmuth der Seele zu bewahren, Unrecht zu dulden und Leiden zu
ertragen. Er vergeſſe es nie, daß in dieſer Selbſtkenntniß , ſo weit
ſie bei Kindern. möglich iſt, der erſte Grund zur ſittlichen Selbſtver-
ediung liege- Er vergeſſe es nie, daß die Selbſtbeobachtung eines der
wichtigſten Erforderniſſe des praktiſchen Chriſtenthumes ſey, (1, Kor,
11, 28.) -
Anſehen und Achtung. (Anktorität des Lehrers bei ſeinen
Schülern.) Cin jeder Lehrer, der ſein Amt mit Nußen und Frendig-
keit verwalten ſoll, muß ſich bei ſeinen Schülern Achtung und Anſe-
hen erwerben und erhalten. Die Hauptſache dabei iſt, daß er wah-
ven Werth an und für ſich habe, daß er ein kenntnißreicher, ſeinem
Amte völlig gewachſener Mann, daß er ſelbſt wahrhaft fromm und
' gottesfürdtig , demüthig und beſcheiden und auch in Hinſicht ſeines
äußerlichen Benehmens gebildet ſey; daß er die Wichtigkeit ſeines
Amtes erkenne, und dasſelbe mit heiliger Treue verwalte. Er hüte
ſich, vor ſeinen Schülern Blößen zu geben, er vermeide moraliſche
und Charakterſchwächen , z- B. Leidenſchaftlichkeit, Zorn , Rachſucht
'c. Ex ſtehe auch in ſeinem übrigen Lebenswandel untadelig da; ver-
meide in ſeinem Verhalten und in ſeinen Ausdrücken alles Unanſtän-
dige , Gemeine und Pdbelhafte; er bemühe ſich eifrig, ſeinen Schü-
lern wahrhaft nükßlich zu werden, und erlaube da, wo er mit ſeinen
Schülern zuſammen iſt, z+ B. in Geſellſchaften , bei Spielen und
Scherzen, bei aller Treundlichkeit und Heiterkeit, weder ſich ſelbſt,
noch ſeinen Schülern etwas, was ſich mit ſeinem heiligen Amte und
ſeiner Lehrerwürde nicht verträgt.
Anſtändigkeit und Höflichkeit der Schüler. Die An-
ſtändigkeit beſteht überhaupt in den äußern Zeichen ſolcher Cigenſchaf-
ten, durch welche man Andern wohlgefällig oder ſchäßbar wird. Die
Höflichkeit dagegen beſteht in ſolchen Zeichen , wodurch man Andern
die ihnen gebührende Achtung beweiſet, und ihnen dadurch gefällig
wird. Zur Beobachtung und Uebung dieſer beiden Tugenden können
und ſollen die Kinder auch in der Schule gewöhnt werden, da ihnen
die Gründe hievon ſo leicht begreiflich gemacht werden können. Es iſt
dieß auch um ſo nöthiger , da es ihnen beſonders hierin oft an häusli-
c halte bei ſeinen Schülern beſonders auf Reinlichkeit des Körpers und
der Kleidung; auf Schamhaftigkeit in Reden, Stellungen und Ge-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.