488 Gemüth, Veredlung desſelben.
ihnen ohne alles menſchliche Zuthun ſchon vorhanden iſt, ſtets die er-
forderliche Nahrung und Stärkung erhalte, damit es- nicht verdunkele
oder gar erlöſche, == Nachdein nun die Kinder durch die Taufe bereits
in den Schooß der Kirche, in die Gemeinſchaft mit Gott aufgenom-
men, und Zeugen der häuslichen Frömmigkeit der Eltern geworden
ſind ; nachdem ſie ferner mit der Mutter ſchon oft gebetet, wohl auch
die Kirche beſucht haben; ſo wird der Lehrer ebenfalls nicht ſäumen
das Gottesbewußtſeyn in ihnen durch Lehre und Gebet, und durch
Hinweſung auf die Werke der Schöpfung in ihnen möglichſt zu beleben,
Hier trete das bedeutſame Wort des Herrn vor die Augen ſeines Gei-
ſtes : „Laſſet die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer iſt das Himmel-
reich!“ (Matth. 19, 14.) Er führe ſi? nur recht bald ihrem gött-
lichen Erlöſer entgegen, er mache ſie mit ſeiner Lehre, ſeinen Thaten
und ſeinem Beiſpiele vertraut; er weiſe ſie auf ſeine allumfaſſende
Liebe hin, die ſich in ſeinem Leben, Leiden und Sterben ſo unaus-
ſprechlich ſc<ön geoffenbart hat. Auf ſolche Weiſe bereite der Lehrer
die Kinder durch das in ſeiner Schule herrſchende religidſe Leben fär
den Empfang der heil. Sakramente vor. Er beginne und ende ſeinen
Unterricht jedesmal mit einem Herz erhebenden Gebete. Zu dem
benüße er auch beim Unterrichte jede Gelegenheit, die Kinder auf Gott
hinzuweiſen, und lehre ſie durch Wort und That vor ſeinem Angeſichte
wandeln, = Thut der Lehrer nur das Seine redlich, dann iſt nicht
zu befürchten , daß an die Stelle des Glaubens der hohle Unglaube
vei irgend einem Kinde treten werde. Dem ſchlechten häuslichen
Beiſpiele iſt es zuzuſchreiben, wenn Gleichgültigkeit von Seite der
Kinder gegen das Heilige die Kraft des Glaubens mindert, oder an
der Stelle desſelben der Aberglaube erſcheint. =“ Um aber bei der
Weckung und Stärkung des Glaubens die rechte Mitte zu halten,
ſo lege der Lehrer einen Maaßſtab an, woran er ſowohl ſeinen eige-
nen und den Glauben Anderer unterjuchen kann. Dieſe Vorkeh-
rung beſteht nun wieder in dem Hervorrufen der Gottinnigkeit, des
höhern göttlichen Lebens im Menſchen. Ein Glaube, der nicht ev-
hebt und ermuthiget , nicht beruhiget und beſeliget , das Herz nicht
reiniget und beſſert und nichts zur Entwickelung der ſittlichen That-
kraft beiträgt, iſt ein eitler und todter Glaube, und wird als ein
Roſenbett der Trägheit und Unbußfertigkeit, oder als ein Beweg:
grund zur Unduldſamkeit ſogar ſchädlih. Der Lehrer beſtrebe ſich
alſo bei ſeinen Schülern Glauben und Werke in Harmonie zu brin-
gen; denn der Glaube ohne die Werke iſt todt. (Jac. 2, 17.) -+
Das höhere göttliche Leben im Gemüthe , die Gottinnigkeit beſteht
ferner in der Hoffnung, in der freudigen Zuverſicht zu Gott, daß
er uns Alles, was gut und heilſam iſt, geben, und jedes wahre
Uebel nach ſeiner Macht und Güte von uns entfernen werde. Das
durc<, daß der Lehrer die Kinder zu Gott führt, erweckt er in ihnen
auch die Hoffnung, und dieß beſonders dadurch, daß er das kindliche
Herz mit dem großen Gedanken befreundet: „Gott iſt Vater , Er
iſt mein und aller Menſchen Vater.““ Alles nun, was im Kinde
das Gefühl der Abhängigkeit von einer höhern Macht, und das Be-

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