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haglichen Verlangens). Die Kinder von tiefer Naturart beſiken mei:
ſtens dieſe Eigenſchaft im hohen Grade. Es iſt nicht ſchwer dieſelben
in der Schule hieran zu unterſcheiden. Wenn der Lehrer auch in den
Lehrgegenſtänden keine Aungnahme um ihretwillen machen darf, ſo wird
er do) die ganz beſonders phantaſiereichen Kinder am meiſten bei dem
in Anſpruch nehmen, was den Verſtand und die Urtheilskraft in Thä-
tigkeit verſeßt, und insbeſondere die einſchlägigen Fragen an ſie ſtellen,
In der Art und Weiſe, ſolche Kinder zu behandeln, kann ihm jedoch
Schonung und Zartheit nicht genug empfohlen werden. Er hüte ſich
vor dem erſten Verkennen eines ſolchen Kindes, denn er wird lange
zu thun haben, um den ungünſtigen Eindruck davon wieder zu ver?
wiſchen. Wenn es in der Regel aufmerkſam iſt, und auf den Unter-
richt mit ganzer Seele achtet , ſo können doch zuweilen auch Stunden
kommen, wo es nichts auffaſßt, ja, wo cs ſogar ſcheinen mag, als
wolle es abſichtlich nicht aufmerken. Die Phantaſie treibt da ihr
Spiel mit ihm, und es wird wohl gethan ſeyn, in jolchen Stunden
nichts von ihm erzwingen zu wollen, wohl aber zu etwas anderm über?
zugehen. Zu einer andern Stunde, oder an einem andern Tage geht
dann Alles wieder beſſer. Nur ſehr ſelten wird es mit einer aufges
gebenen Arbeit im Rückſtande bleiben ; geſchieht dieß aber je einmal,
ſo liegt der Grund davon nicht in Trägheit oder Arbeitsſcheu, ſondern
in einer andern Beſchäftigung, zu welcher ſeine Phantaſie oder ſein
Gefühl es unwillkührlich hinzog, Uebrigens kann ihm der Lehrer das
Nachholen der verſäumten Arbeit nicht erlaſſen. --“ Ein Kind der
Art iſt, wenn es irrige Vorſtellungen in ſich aufgenommen hat, nicht
leicht wieder davon abzubringen. Kommt es daher mit ſolchen Vor-
ſtellungen in die Schule, ſo iſt dem Lehrer große Geduld nöthig, ehe
er ſie zu beſiegen vermag. Jedenfalls halte er genau darauf, daß er
demſelben keine irrigen Begriſfe beibringe , ſondern ihm überall nur
geſunde Geiſtesönahrung reiche, Auch hat er genau darauf zu achten
und dafür zu ſorgen, daß ein derartiges Kind nicht etwa den andern
zur Zielſcheibe ihres Scherzes oder Wikßes diene, wozu ſich namentlich
die Leichtſinnigen gern verleiten laſſen; denn es ſekt ſich in ſeinem
Gemüthe nur zu leicht etwas Bitteres, Mißtrauiſches und Feindſeliges
feſt, was hernach nicht ſo leicht wieder aus demſelben entfernt wer?
den kann.
- Genauigkeit. Schon frühe müſſen Kinder an Genauigkeit
in ihren Geſchäften und an Liebe zur Ordnung in Allem gewöhnt und
angehalten werden. Ein bloß halbes Weſen im äußern Thun und
Treiben bezeichnet überall nur einen halben Menſchen. Die Aeußes
rung, die man ſo oft zu hören Gelegenheit hat: „Es iſt leicht gut
genug „““ iſt immer ein Zeichen einer niedrigen Denkart und einer
unedeln Seele, welche höhern Strebens unfähig iſt. - Eine ſothe
Denk- und Handlungsweiſe ſollte daher in den Augen eines jeden Kin?
des als etwas Verachtungswürdiges erſcheinen. Nichts ſey dem Schü-
ler gut genug, was nicht ganz gut iſt, oder wenigſtens doch) ſo gut,
als er bei dem vorhandenen Maaße ſeiner Kräfte , es zu leiſten ver-
mag. Man ſollte nicht Urſache haben , ihm etwas vorzuwerfen, das
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