Genügſamkeit = Genußliebe, 493
geworden, wie wenig man bedarf, um Alles zu haben, erhält eine
gewiſſe edle Art, die allen Zwang verſchmäht, der wahrlich ſich nicht
von dem nächſten beſten einen Saum - oder Reitſattel aufbinden
(äßt.““ == Der Lehrer thut auch in dieſer, wie in jeder andern
Beziehung mit Freude das Seine, um ſeine Schüler mehr und
mehr an Selbſtbeherrſchung zu gewöhnen. Er wird daher denjelben
die Genügſamkeit als die dringendſte Pflicht, aber auch zugleich als
die lohnendſte Tugend vorſtellen. Er wird ihnen zu dem Ende ſa-
gen; „„Auch der Aermſte iſt es Gott ſchuldig, mit dem zufrieden zu
ſeyn, was ihm Gott gegeben hat. Zu fordern hat ja Keiner etwas
von ihm; auch das Kleinſte iſt Gottes Geſchenk und Gabe, Etwas
hat Jeder bekommen , und zwar grade ſo viel, als ihm nöthig und
heilſam iſt. Das Beſte ſind immer die Kräfte des Leibes und der
Seele, womit ein Jeder das ſchaffen und ausgrichten kann, was er
nach Gottes Willen ſchaffen und ousrichten ſoll. Wer dieſe Kräfte
treu und redlich anwendet, der erwirbt ſich immer ſo viel, als er
bedarf, und damit ſoll er zufrieden ſeyn. Wer viel hat, und doch
immer mehr haben will, der iſt auch immer ärmer, als derjenige,
welcher wenig hat, und damit zufrieden iſt 26. = Es giebt mitunter
wohl auch ſolche Kinder, die neidig auf Andere hinblicken, die gern
Alles haben möchten, was Andere haben, ſich darüber ärgern, wenn
ſie es nicht haben können, und Keinem etwas Gutes gönnen, Sie
ſehen mit Fleiß darauf, ob ein anderes Kind mehr, oder etwas
Beſſeres und Schöneres hat, als ſie, und wenn ſie ſich das einbil-
den , ſo ſind ſie ärgerlich und verdrießlich , und es iſt ihnen faſt ſo,
als ob ſie gar nichts hätten. Solchen Kindern, denen der Neid
keine Ruhe läßt , zeige der Lehrer mit Hinweiſung aufpaſſende Bei-
ſpiele , wie ſchwer ſie ſich das Leben machen, und ſich die Quelle
jeder herzlichen Freude verſchließen, und wie froh dagegen diejenigen
ſeyen, welche Jedem von Herzen gönnen, was er hat, und auch mit
dem Wenigen, was ſie haben, zufrieden ſind. =- Der Lehrer warne
nebenbei die Kinder vor Naſchhaftigkeit und Unmäßigkeit , die ſich
ſelbſt zu Grunde richtet. Er zeige, daß der Menſc< den Nahrungs-
trieb mit den Thieren gemein habe, ſich aber doch von denſelben
durc< Selbſtbeherrſchung unterſcheiden müſſe. Zur Selbſtbeherrſchung
gewöhne man ſich am beſten, wenn man ſich auch etwas an ſich Er-
ſaubtes verſage«- Der Lehrer wird übrigens auch hier ſeinen Schü-
lexn mit der Leuchte ſeines eigenen Beiſpiels vorangehen, und da-
durch dieſelben deſto eher und leichter zur Uebung dieſer Tugend
vermögen. (Dir. 40, 18. 1, Tim. 6, 6.) ,
Genuß (ſ. Art. ſinnliches Gefühl, und Begehrungs-
vermögen.)
Genußliebe. Häufig wird bei der häuslichen Erziehung das
religids - ſittliche Moment viel zu wenig ins Auge gefaßt. Wiele
Eltern in den höhern und niedern Ständen ſind ſelbſt zu ſehr der
Welt, ihren Gütern, Lüſten und Freuden, und namentlich dem, was
Nuken und Vortheil bringt, zugewendet, als daß ſie ſich beſtreben
ſollten , ihren Kindern eine andere Richtung zu geben. Site halten
hl

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