Geſchlecht == Geſchwiſterliebe, 531
Knaben in der Entfaltung des Geiſtes meiſt eine bedeutende Strecke
voran, allein dieſe faſſen deſto gründlicher und ihr Wiſſeu haftet
tiefer. == So muß ſich die Disciplin nach dem geſchlechtlichen Un-
terſchiede richten, bei den Mädchen muß ſie milder, bei den Knaben
aber ernſter auftreten. Da, wo das Mädchen willig und auf das
erſte Wort hin gehor dazu angehalten werden. =- Dieß wären ſo die wichtigſten Momen-
te, welche der Lehrer bei der Bildung der Knaben und Mädchen
beſonders zu beachten hat, wenn er das vorgeſteckte Ziel mit denſel-
ben durc) Erziehung und Unterricht erreichen will.
Geſchlechtsliebe, (Die Neigung, in ſofern ſie ſich auf das
andere Geſchlecht richtet.) S. Art. Beſtrebungs-Vermögen,
ſinnliches,
Geſchlechtstrieb. Dieſer Trieb entwickelt ſich gewöhnlich
ſpäter, als die andern, Zeigen ſic) auch hier bei Knaben und Mäde
den feine leiſe Spuren, ſo fällt er doch mit ſeinem eigentlichen
Erwachen, wenn nicht beſondere Veranlaſſungen hiezu vorhanden
ſind, gewöhnlich über die Elementarſchulzeit hinaus, wo der Körper
ſchon mehr zu einer gewiſſen Reife gelangt iſt Zeigen ſich früher
jene unnatürlichen Verirrungen des Geſchlechtstriebes, die uns unter
dem Namen der Selbſtbeflekung bekannt ſind; ſo können ſie nur
auf unnatürlichem Wege, z. B. durch Verführung oder känſtliche
Reizung 20. entſtanden ſeyn. Mit dem Geſchlechtstriebe im ſtrengen
Sinne aber haben ſie nichts gemein , da dieſer nur Geſchlechter zu
Geſchlechtern hinzieht, und man ſollte ſie daher nur mit der Benen-
nung wohllſüſtiger Selbſtſchändung bezeichnen, (S, hierüber Art, Be-
wachung des Geſchlechtstriebes.)
Geſchma>. (S, Art. äſthetiſches Gefühl.)
- Geſchma&sſinn, (S. Art. Geruch und Geſchmack.)
Geſchwähßigkeit, (S. Art, Zunge.)
Geſchwiſterliebe. Sie gehört in den Bereich, wo eigents2-
(ich nichts geboten oder befohlen wird ; doch wird ſie begründet, durch
völlige Unpartheilichkeit gegen alle Kinder, und durch Bewahrung
des liebevollen Benehmens. Durd) häufige Veranlaſſung wechſelſei-
tiger Gefälligkeiten wird ſie erhalten. Es iſt ſchon viel gewonnen,
wenn man es dahin gebracht hat, daß ein beſcheidener und gefälli-
ger Ton und herzliches Wohlwollen unter Geſchwiſtern herrſcht. Oft
läßt ſich veranſtalten, daß unter mehrern Kindern des Hauſes eines
des andern bedarf, und daß das jüngere dem ältern mit anvertraut
wird. Dieß erzeugt meiſt eine größere Anhänglichkeit. Deßhalb,
ſagt Niederer, ſtehen neben ihm, dem Kinde , ſeine Geſchwiſter,
Sie ſind ihm von Gott gegeben, daß ſie den Geſchwiſterſtun in ihm
erwecken und beleben; daß es mit ihnen Eins ſich fühle durch die
gleichen Eltern, durch gleiche Rechte, gleiche Pflichten und gleiche
Liebe verbunden; daß das Stärkere helfe dem Schwächern in freund-
licher und liebender Geſinnung, und das Schwächere ſich aufrichten
könne ait dem Stärkern in Dank und freundlichem Vertrauen; daß
ſie die Hand ſich bieten in gegenſeitiger Anerkennung und in erhes

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