652 Geſelligkeit,
bender Eintracht wetteifern in edler Vorbereitung für ihre Beſtim?
mung hier und dort. =- Ney ſagt? Nur durch partheiloſe Behand-
lung aller Kinder einer Familie iſt man im Stande, die Gemüther
derſelben zu inniger, gegenſeitiger Liebe zu ſtimmen. Nie werde da-
her eines dem andern vorgezogen, oder gegen ein anderes zurückge-
ſeßt. Mit gleicher Liebe, Schonung und Unpartheilichkeit behandle
man das eine wie das andere ; denn ein zurückgeſelztes Kind iſt ein
des höchſten Mitleids würdiges Weſen. == Die (denn über dieſe geht doch nichts) des Erſtgebornen erleichtert die
Bildung des Lekßktern unglaublich, weil alsdann die Kraft des Bei“
ſpiels den elterlichen Lehren und Ermahnungen ſehr zu Hülfe kommt,
Man gewdhne daher das ältere Kind zur Nachſicht und Milde gegen
das jüngere. Leßteres wird ſchon durch das Beiſpiel des erſtern
ermuntert werden, ſich Wohlwollen, Freundlichkeit , Eintracht und
alle die Tugenden, welche die Liebe in ſich faßt, anzueignen. Mit
allem Ernſt werden bei dem Kinde die etwa in ihm aufkeimenden
Neigungen zum Neide, zur Schadenfreude, zur Unverträglichkeit 2c,
unterdrückt. Alle dieſe Fehler entſpringen ſehr oft bloß aus Necke-
reien, die anfangs unſchuldig ſcheinen. TDePßhalb iſt das Betragen
der Kleinen unter ſich, beſonders bei ihren Spielen, und da, wo
ſie ſich unbemerkt glauben, ſorgfältig zu beobachten. Doch wird auch
hier, wie überall, das gute Beiſpiel der Eltern die wirkſamſte Lehre
ſeyn, wenn ſie nämlich in Friede und Liebe miteinander leven. Daß
im Hauſe ſelbſt das Licht ſtets leuchte, das muß der Eltern Sorge
ſeyn. (Matth. 5, 16.)
Geſelligkeit. (Liebe zur Geſellſchaft und Umgang.) Der
Trieb dazu liegt tief in der Natur des Menſchen, und zuſt von großer
Wichtigkeit. Das zeigt ſich ſchon bei den Kindern ſelbſt. Sie ſpie-
ſen gerne mit einander und lieben den Umgang und die Geſelligkeit.
Und gerade in der Gemeinſchaft mit ihres Gleichen dringen alle
ihre Kräfte üppig hervor, und heben und treiben ſich wechſelſeitig.
Die Neigung zu dieſem Gemeinſamen, es ſey in der Stube oder
auf dem Spielplaße, iſt daher nicht zu unterdrücken. Hier md-
gen ſie, wenn auch hin und wieder manches Ungehörige ſich ein?
miſchen ſollte, ihre Kräfte meſſen und üben, und ſpielend ſich zu
allen jenen geſelligen Tugenden vorbilden, welche ſchon die Schulge-
meinſchaft , noch) mehr aber das kommende Leben fordert. Indeſſen
darf aber doch auch die Neigung zur Geſelligkeit nicht allzuſehr be-
- günſtiget werden, damit die Zerſtreuung und Flatterhaftigkeit , wozu
das rege und lebendige Weſen der Kinder ohnehin geneigt iſt, nicht
zu viele Nahrung erhalte, Gewiß iſt die Einſamkeit zum innern
Gedeihen des Menſchen, zur Einkehr in ſich ſelber , zum Lernen
und Nachdenken 2c. nicht weniger nöthig, als die nächtliche Stille
einem jeden organiſchen Weſen. Es muß hier, wie einem zu großen
Hange zur Einſamkeit und Abgeſchiedenheit , ſo auch der allzu ſtar-
ken Neigung zur Geſelligkeit auf kluge Weiſe geſteuert werden,
Durch zweckmäßige Belehrung kann hier viel, noc) mehr aber durch
Angewöhnung und Beiſpiel ausgerichtet und erzielet werden, Die

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