Anwendung. 39
"dieſelben von Eifer, Lernbegierde und großer Aufmerkſamkeit eines
Schülers zeugen, ſo wird der Lehrer ſolche gerne freundlich aufneh>-
men und den Schüler beloben 3 beſonders wenn die Fragen der Sache
angemeſſen ſind. Der Lehrer wird ſo daher nicht unbeachtet laſſen,
ſondern ſie in faßlicher Rede beantworten, und hievon Anlaß nehmen,
neue Fragen zur Belcuchtung des Gegenſtandes zu ſtellen.
Anwendung der erkannten Wahrheit. Eine Wahrheit
anwenden heißt: es dem Schüler begreiflich und anſchaulich machen,
daß die Wahrheit ihn angehe, und ihm zeigen, wozu et ſie gebrau-
um ſo nothwendiger, weil nur dadurch die Wahrheit Kraft und Leben
gewinnen und auf Geſinnung und Handlung des Schülers Einfluß
haben kann. Dieſe Anwendung iſt aber insbeſondere wichtig beim
Religionsgunterrichte , zumal gerade dadurch fromme Gefühle und Ent-
ſchließungen erwe>t, belebt und gerührt werden ſollen. Will der Leh-
ver dieſe Abſicht bei ſeinen Schülern erreichen, ſo muß er darauf be-
dacht ſeyn, daß ſein Vortrag lebendig, warm, herzlich und feierlich
ſey. Er muß aber auch eine weiſe Auswahl und Darſtellung des An-
wendungsſtoffes treſfen; er muß auf ſolche Fälle und Anläſſe Rückſicht
nehmen, wo entweder Pflichten übertreten, oder wo die Wahrheiten
der Religion beſonders wirkſam und durchgreifend ſind. Jt die anzu-
wendende Wahrheit eine Glaubenslehre, ſo ſuche er diejenigen Ge-
fühle und Entſchließungen in dem Kinde zu wecken, welche als eine
natürliche Folge aus derſelben hervorgehen. Iſt es eine Pflichtenleh-
ve, ſo muß er dieſe nicht nur auf das Herz und Leben der Schüler
anwenden, ſondern ſie auch geneigt machen, daß ſie dieſelbe freudig
in ſich aufnehmen, bewahren und befolgen. Sie dafür zu gewinnen,
daß ſie ſich entſchließen, feſt daran zu- halten, dazu wird eine kurze ,
gedrängte Darſtellung treſfender Beweggründe von großem Nußken
ſeyn. Unter dieſen Beweggründen ſteht entſchieden oben an: So will
es Gott, das iſt ſein heiliger Wille! =- Damit können jedoch auch)
ſinnliche Motive, welche aus den Folgen der Handlungen hergenoms-
men ſind, füglich verknüpft werden. Um die Befolgung der Tugend-
vorſchriften möglichſt zu befördern, mache der Lehrer ſeine Schüler
nicht nnr mit den allgemeinen Hülfsmitteln =- Gebet, Aufblick zu
Gott, Wandel in ſeiner Gegenwart 2c. =- ſondern auch mit den be-
ſondern Erleichterungsmitteln bekannt. Er unterhalte ſich mit den
Schülern über dieſe Beweggründe katechetiſch , aber lebendig, gedrun-
gen und herzlich. Er kann jedoch zuweilen auch) mit einem ununter-
brochenen Vortrage abwechſeln, und die Anwendungsgedanken in eine
belehrende, eindringliche und herzliche Ermahnung zuſammenfaſſen.
Meiſtens iſt es ſehr gut, wenn der Lehrer zuleßt durch ein kurzes,
ſalbungsvolles Gebet, durch einen paſſenden Geſang oder einen ein-
ſchlägigen Bibelſpruch 2c. den Eindruck des Ganzen verſtärkt und
erhödhet.
Anwendung, die rechte, von dem Beſike oder-Er-
werbe. Der Lehrer weiſe die Kinder hin auf die rechte Anwendung
deſſen, was ſie beſiken oder erwerben. Je ärmer ſie ſind, deſto

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