Gottesfurcht. 569
nicht auf Gottesfurcht gegründet iſt. =- Soll aber die Gottesſurcht
in den Herzen der Kinder wohnen, ſo muß ſie in dem elterlichen
Hauſe wohnen, Welche Ermahnungen verbunden mit einem leuch:
tenden Vorbilde gab der fromme Tobias ſeinem Sohne! Er lehrte
ihn von Kindheit auf Gott fürchten, um ſich vor jeder Sünde zu
bewahren. Als der Abend ſeiner Tage niederſank, ließ er ihn noch
einmal vor ſich kommen, und ſprach zu ihm „Mein Sohn! höre
die Worte aus dem Munde deines Vaters, und ſenke ſie, wie eine
Grundfeſte , tief in dein Herz! „„Dabe dein Leben lang Gott
im Herzen, und hüte dich, daß du nie in eine Sünde
willigeſt und etwas thuſt, das gegen die Gebote Got-
tes iſt.“ (Tob. 4, 2. 6.) Es leuchtet wohl von ſelber ein, daß
aus einem Hauſe, in dem man Gott nicht fürchtet, in dem nicht
gebetet, in erbaulichen Büchern nicht geleſen, und die häusliche Got-
tesverchrung vernachläſſiget wird, keine frommen Kinder hervorgehen
werden. Worte thun zwar wohl etwas, aber das gute Beiſpiel
thut zweimal mehr. *) Die Hauptſache iſt alſo auch hier wieder
das Beiſpiel der Eltern, Lehrer und Erzieher , und überhaupt aller,
die auf die Jugend Einfluß haben. Beſonders groß iſt die Macht
des Beiſpiels hinſichtlich der religidſen Erziehung. Wenn die Eltern
und alle, welche die Kinder umgeben, ſelbſt von kindlicher Gottes:
furcht durchdrungen ſind, immer nur mit heiliger Ehrfurcht von
Gott reden, alles Gute vertrauensvoll von ihm erwarten , und das
Empfangene voll Dank auf ihn zurückführen ; wenn ſie im frommen
Aufblicke alles Widrige ſtill und ergeben annehmen, und Alles, was
Sünde iſt, von ganzer Seele verabſcheuen und meiden z ſo wird ein
ſolches Beiſpiel die wohlthätigſten Eindrücke auf die Herzen der Kins
der machen. Sie werden dur< den täglichen Anblick eines ſolchen
edeln Beiſpiels immer mehr in jene Stimmung verſeßt werden,
wovon ihr zartes Gemüth in ſo vertrautem Anklange ſtets angeregt
werde- Daran denken aber viele Eltern nit. Wie ſie der Welt
und ihren Läſten huldigen, ſo auch ihre Kinder 3 denn ihr Beiſpiel
zieht ſie nac<. Sie bieten Alles auf, ſie köſtlich zu kleiden, körper?
lich und geiſtig auszubilden, aber ihr Herz laſſen ſie meiſt leer aus-
gehen, laſſen Diſteln und Dornen darauf wachſen , oder pflanzen ſie
wohl ſelbſt hinein. Doch die Zeit bleibt nicht aus, wo ſie von die-
ſen Dornen ſelbſt ſchmerzlich werden geſtochen werden, Mögen Kin-
der frommer und gottesfürc glänzet, oder an feinem Ton und Kunſtfertigkeit übertrofßſen werden,
was ſchadet dieß, wenn ſie nur gottesfürchtig ſind, und tüchtig wer-
den für ihren künftigen Beruf. Nichts ſoll daher den Eltern ſo
ſehr am Herzen gelegen ſeyn, als ihre Kinder in der Furcht Gottes
zu erziehen. Giebt ſie die Hand der Erziehung nicht, dann bleibt
emer

+) Longum est per praecepta, breve et efſicax per cxempla, ſagt
Seneca: Der Weg durc< Lehren und Vorſchriften iſt lang, aber kurz
und wirbſam durc< Beiſpiele. Wer ſollte dieſen Ausſpruch je vergeſſen,
dem dex Kinder Wohl am Herzen gelegen iſt? ==

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