Gradheit, offene = Grauſamkeit. 671
Opfer der frühen Zerrüttung bei ihren Familiennamen nennen und in
aller Welt bekannt machen, gewiß würden ſie dann, wie Sailer ſagt,
die beſſern Pädagogen des Jahrhunderts werden. == Cs iſt demnad)
unerläßliche Pflicht des Lehrers ſeine Kinder bei jedem Anlaſſe, der
ſic) ihm gerufen oder ungerufen, darbietet, auf die frühen Gräber.der
Luüſternheit hinzuweiſen, ſie zu fördern in der Mäßigkeit und Nüchtern-
heit, und beſonders zur treuen Erfüllung des Willens Gottes in allen
Dingen. Auch hier werden ihm Erzählungen wohl zu ſtatten kommen,
und wir können ihm zu dieſem Behufe nichts jo ſehr empfehlen , als
die Schrift: Warnungs-Betſpiele fär die Jugend zur Ver-
meidung der Gefahren , welche auf dem Lebenswege ihrem geiſtigen
und leiblichen Wohle drohen. Von dem Herausgeber der Beiſpiele
des Guten 2(.- Stuttgart bei I, F. Steinkopf. 1829. (Sir, 37,
33. 34. und 31, 22 -- 29.)
Gradheit, offene (S. Art. Freundlichkeit).
Graſer (S. Art. Leſelehre).
Grauſamkeit geht meiſt aus einer fehlerhaften, unchriſtlichen
Erziehung hervor 3; denn nur ſelten iſt dieſe feindſelige Leidenſchaft dem
Gemüthe des Kindes eigen. Allein wenn auc) nur der Keim dazu in
der Seele irgend eines Kindes liegt, ſo können Fehler der Erziehung
und böſe Beiſpiele denſelben wecken und hervorrufen. Der Erzieher
vermeide daher Alles, was eine ſolche verkehrte Neigung we>en und
ins Leben rufen kann. Er überſehe an ſeinem Zöglinge keine Rede
oder Handlung , die ſich mit dem heiligen Geſcße der Liebe nicht ver-
trägt. Er behandle aber auch denſelben nicht hart oder zwingherrſches-
riſch , zumal eine ſolche Behandlung nur erbittert und die ſchönen Ges
fähle der Sanftmuth im Herzen des unter dem Drucke Leidenden
erſtickt. So wird das Gemüth allmählich verhärtet, und das bedrückte
Kind will Andern, wo ſid) ihm Gelegenheit bietet, fühlen laſſen, was
es ſelbſt erduldete- Vor Allem aber gehe der Erzicher ſelbſt als Muſter
eines liebevollen Benehmens voran. Ferne muß dem Kinde alles
rohe und harte Betragen gegen Andere gehalten werden. Sieht oder
hört dasſelbe, wie Menſchen von Menſ:hen oft unterdrückt und miß-
handelt werden , ſo ſchleicht ſich) ſolches leicht in ſeine Seele ein. Nie
werde ein Kind zur Rachzgier, wenn es durch irgend Jemand oder durch
einen lebloſen Gegenttand gelitten hat, aufgereizt, ſeine Rache daran
auszuüben. Der ſeine Schüler vor derlei feindlichen Neigungen möglichſt zu ſichern,
und in hren Herzen niederzuhalten. Er weiſet diejenigen, bei welchen
er auh) nur letſe Spuren davon gewahrt, auf Bilder hin, mit welchen
die Natur ihm ſo freundlich entgegenkommt, z. B. auf ein ſanft dahin
fließendes Bächlein, oder auf einen reißenden und verheerenden Wald-
ſtrom , und ſagt ihnen: Sehet, Kinder! das Bächlein, das ſo ge-
räuſchlos unter Blumen dahim flieſt; es iſt ſich immer gleich, läßt ſich
nicht aufbringen , und wenn es auch von irgend einer ment Hand getrübet worden, ſo wird es wieder klar ; es ſchadet Niemanden,
ſondern nüßet nur. Dagegen der wilde Waldſtrom iſt ſich ſelten gleich,
heute ſteigt er, morgen aber fällt er wieder ; (duft er an, ſo iſt er gez

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