592 Hähn'ſche Literal - Methode -- Halsſtavrig.
fehlt, wo bald dieß oder jenes vermißt oder verwechſelt wird, u. ſ.
w, muß die genaueſte Gränze zwiſchen Mein und Dein gezogen, und
jede Verlekung mit Strenge geahndet werden. Denn dieß ſoll nicht :
bloß für das Beiſamwenſeyn der Kinder in der Schule gelten, ſon-
dern hier ſollen ſie lernen, auch außerhalb derſelben das Eigenthum
Anderer heilig zu achten, damit weder ihre Hände noch ihre Herzen
durch irgend eine Verleßung desſelben befleckt werden. Vor allem
bemühe ſich der Lehrer den Habetrieb auf einen weiſen, Gebrauch hinzulenken, und die Schüler dahin zu vermögen, daß
eines dem andern zuvorkomme mit der Gabe, die es empfangen hat,
ſie mag entweder das Geiſtige oder Leibliche betreffen. Hiezu giebt
namentlich die Schule ſelbſt Veranlaſſung genug, um dem Triebe zum
Haben eine edlere und ſchönere Geſtalt zu geben. Mitunter laſſe der
Lehrer ſeine Kinder das Nothwendige und Wohlthätige in der unglei-
muß es ihnen einleuchten, daß das ſociale Leben der Menſchen nur
dadurch Halt und Feſtigkeit gewinnt, daß Einer den Andern ndcchig
hat, und dieß darum, weil der Eine hat, was dem Andern man-
gelt; daß Reichthum und Armuth von Gott komme; daß ſich der
Arme ſein Brod vom Reichen verdiene, dieſer aber jenem von dem
Seinigen zu verdienen gebe, und daß Alles ſo, wie es Gott ange-
ordnet habe, gut und weiölich eingerichtet ſey; wollte aber Einer mit
dieſer Einrichtung nicht zufrieden ſeyn, ſo wäre es eben ſo viel, als
wenn der Topf den Töpfer fragen wollte: ,, Warum haſt du mich ſo
geſtaltet ?““ u. ſ. w, (Man ſehe hierüber auch die Artikel: Beſik,
Genügſamkeit, 2c. 2c.)
Hähn ſche Literal - Methode. (S, tabell, Unterricht.)
Halsſtarrig (ſtarrſinnig). Eltern und Erzieher fehlen manch-
mal dadurch, daß ſie der Heftigkeit des Kindes nicht die gehörige
Ruhe entgegenſeßen. Sie können bei ihrer Gutmüthigkeit, wenn
es ſich über etwas erboßt, nicht genug eilen, um das, was ſeinem
Willen zuwider iſt, aus dem Wege zu räumen, oder das, was es
heftig begehrt, ihm zur Stelle zu bringen. Sind ſie ſelbſt heftig
und leidenſchaftlich , ſo ereifern ſie ſich, brauſen auf und ſchlagen zu,
während ſich des Kindes Heftigkeit an ihrer Ruhe und an der Unmdög-
lichfeit , ſeinen Willen durchzuſeßen, weit ſicherer und dauernder bre-
hen würde. Im erſten Falle machen ſie ſich zu blinden Werkzeugen
des findlichen Willens und legen den Grund zu jener Seelenſtim-
mung, die ſich nichts verſagen, jedes Begehren befriediget haben
will, Alles daranſeßt, um ihre ſelbſtſüchtigen Zwecke zu erreichen,
ſich) keinem fremden Willen fügt, und das liebe Ich als die Haupt-
ſache betrachtet, der Illles dienen ſoll. Im zweiten Falle dagegen ver-
ſtopfen ſte unreinen Krater, der innerlich fortglimmt, früher oder
ſpäter wieder ausbricht, und dieß um ſo heftiger, wenn jene Hem-
mungen nicht mehr vorhanden ſind. Und was iſt die Folge davon ?
Keine andere, als daß ſolche Kinder troßig, widerſpenſtig, halsſtar-
rig , tückiſch, unverſchämt, boshaft und nur ſehr ſchwer gebeſſert
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