Haltung des Lehrers, 593
werden können. Nicht utnſonſt ſagt der Apoſtel: ,, Eltern, erbittert
eure Kinder nicht !'' (Epheſ. 6, 4.)
Haltung des Lehrers. Das Eigenthümliche eines jeden
Lehrers, was auf das Gelingen oder Nichtgelingen des Unterrichts
einen Einfluß hat, wird gewöhnlich Haltung des Lehrers genannt,
wovon der Lehrton ein Theil iſt. Dieſe Haltung hängt von vielen
einzelnen Stücken ab, als? a) Von der Stärke und Schwäche des
Körpers, b) von dem Wohlbefinden, €) von guter und ſchlechter
Angewöhnung im Stehen, Siken, Sprechen, ſich Bewegen, d)
von der Beſchaffenheit, als dem Klange und der Modulation der
Stimme, e) von dem Blicke, ſo wie von der Geſammtbildung des
Geiſtes und Leibes, von der Stärke der einzelnen Geiſtesvermögen
und ihrem Verhältniſſe zu einander, z. B. von der Kälte oder Wärme
des Herzens, von dem ernſtlichen, feſten oder ſchwachen und wanken-
den Willen. Ein feſter, kräftiger Wille, verbunden mit einer ruhi-
gen Haltung und einem theilnehmenden Gemüthe, bildet die Grund-
lage eines tüchtigen Schullehrers. =-* Am allerwenigſten ertragen
die Schüler eine hinaufgeſchrobene und erkünſtelte Haltung ihres Leh-
vers, überſehen dagegen leicht einzelne, eigenthümliche Fehler, wenn
ſie nur wahrnehmen, daß der Kern gut iſt. Allein es kann nur in
demjenigen Lehrer ein guter Kern ſeyn, wenn er ſeine Schüler wahr-
haft liebt. Wandelnd und wirkend in dieſer Liebe wird er überall an
den Begegniſſen ſeiner Kinder innigen Antheil nehmen, und insbe-
ſondere an allem dem, was in der Schule mit ihnen vorgeht. Aller-
dings wird er gegen das wahrgenommene Böſe ernſt und kräftig
eifern, aber doch immer ſo, daß er nach dem göttlichen Beiſpiele
Jeſu nicht den Schüler, ſondern nur das Böſe an ihm haſſet-. Bei
ſeinem Unterrvichte wird er mit ganzer Seele ſeyn; er wird darin
leben und aufgehen. = Zu den ſchlechten Lehrerhaltungen gehören:
a) Schlafheit, Mattheit , Mangel an Lebhaftigkeit , Friſche und
Stärke, ſo wie Nachläßigkeit in Bewegung, Sprache und Sache ;
bh) Reizbarkeit (empfindlich zum Uebelnehmen und zum Zorne geneigt
ſeyn) und ein eitler, ſtolzer Sinn, der bei jedem Anlaſſe ſchnell auf-
fährt. *) «c) Ein erfkünſteltes, ſteifes Benehmen, das alles abmißt
und förmelt, aber geiſtlos iſt. Endlich d) eine übermäßige Beweg»
lichkeit, die ſich in zu raſchem Sprechen, Hin- und Herlaufen , fort-
während wechſelnden Stellungen, und in einer übermäßigen kindi-
ſchen Geläufigkeit bei Anwendung von Unterrichtömitteln zu erkennen
giebt. =- Dieſe ſchlechten Lehrerhaltungen ſollten von Rechts wegen
nirgends angetroffen werden, und wo ſie vorhanden ſind, ſollte Jeder
ſuchen ſie mit allem Fleiße zu entfernen und zu beſeitigen, weil ſie
das Wirken des Lehrers gar ſehr hemmen und erſchweren.


*) Vor dieſer Neizbarkeit bewahren vornehmlich eine ordentliche Lebensart,
einfa der tägliche Genuß der friſchen Luft, Mäßigkeit im Unterrichten 2.3
das Gegentheil aber von dem VBemerkten führt ſie herbei und ver:
mehrt ſie,

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