Ausrritt == Ausgwendiglernen. 53
varkeit verloren, ſondern es muß auch unſer Mißtrauen ganz begrün-
det finden , wenn wir es auf eine offenbare Lüge zurückweiſen können.
Ja, der Lügner müßte den Lehrer für einfältig halten, würde im Her-
zen ſeiner ſpotten, wenn er leichtgläubig ſeine Worte für Wahrheit
nähme. Daher iſt hier ein ernſtes Mißtrauen unumgänglich) nöthig,
und das um ſo dauernder und feſter, je mehr Fertigkeit das Kind ſchon
im Lägen und Läugnen gewonnen hat. Denn auch hier muß die rechte
Stufenfolge in dem Benehmen des Lehrers beobachtet werden, vom
leiſen Zweifel an durch alle Mittelſtufen hindurch bis zur tiefſten Ver-
achtung» Wenn der Lehrer ſich ſo in ſeinem Verhalten unbiegjam
treu bleibt, und wenn der Lägner ſieht, daß er mit allem ſeinem
Lägen nichts gewinnt, als ſtetes Mißtrauen und Verachtung, ſo wird
er nach und nach in ſich ſelber gehen, das beſſere Gefühl wird erwa-
hen, und er wird für die Wahrheit gewonnen werden.
Austritt der Kinder aus der Schule. Der Austritt
oder die Entlaſſung der Kinder aus der Schule erfolgt gewöhnlich im
vierzehnten Lebensjahre. Vor dem zurückgelegten geſetzlich beſtimm
ten Alter ſollte daher auch kein Schüler ohne motivirende Gründe,
die etwa bei Mädchen ſtattfinden können, entlaſſen werden. Eine
Ausnahme hievon begründen hier diejenigen Kinder, welche einte
höhere (lateiniſche oder Real -) Schule beſuchen, oder einen höhern,
ſich nicht auf die Unterrichtsgegenſtände der Volksſchule beſchränkenden
Privatunterricht erhalten. Bei Kindern, welche bei der der endlichen
Entlaſſung aus der Schule vorangehenden Prüfung ganz ungenügende
Kenntniſſe und Fertigkeiten zeigen, ſollte dieſer Zeitraum um ein bis
zwei Jahre verlängert werden. Jedenfalls ſollte man feſt darauf hal-
ten, daß kein Schüler eher zur heiligen Kommunion zugelaſſen wer?
de , bis ev ſein verhältnißmäßiges Bildungsziel erreicht hat; dadurch
könnte zugleich den Schulverſäumniſſen am kräftigſten geſteuert werden.
Auswahl der geeigneten Bücher für den Schulleh-
ver, (S. Handbibliothek.)
Auswendiglernen. (Memoriren.) Es iſt von großem Ge-
winne, wenn Kinder in der Volksſchule angehalten werden, Denk -
und Bibelſprüche, Liederverſe 26. auswendig zu lernen; denn ihr Ge-
dächtniß wird dadurch geübt, und es kommt bei der religids - ſittli-
und Sittenlehren ihrer Seele ſo geläufig und vertraut werden, daß ſie
dieſelben zu jeder Zeit und bei jedem Anlaſſe , ſo oft man einer Erinz
nerung, Ermunterung oder Warnung bedarf, leicht und ohne vieles
Nachſinnen ſich wieder in's Gedächtniß zurückrufen könne. Immer
bleibt es wahr, was die Alten in religidſer Beziehung hievon geſagt
haben; ,, Der Menſch hat nur ſo viel Religion , als er im Gedäht-
niſſe aufbewahrt hat. ““ Cs iſt demnach keine kleine pädagogiſche
Sünde, wenn man nicht haben will, daſ Kinder die Religionsleh-
ven, ſo wie ſie in ihren Katechismen enthalten ſind , auswendig lernen
ſollen. Man bildet auf ſolche Weiſe gemeiniglich nur religidſe Schwä-
ßer, die über Alles Ja oder Nein, aber weiter nichts zu ſagen wiſſen.
Was in religidſer Beziehung gilt, muß auch in anderweitiger Be-

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