Knechte erziehen Knechte. 779
ſerungen, und ſollten ſie aud) auf Koſten der Religion und Sittlich-
keit geſchehen, werden- beifällig belacht , naſeweiſe Urtheile über An-
dere werden ſtillſchweigend geduldet oder wohl gar gutgeheißen, und
das Alles mehr noch in den höhern Familien, aus denen kirchlicher
Sinn und Gottesfurcht häufiger entwichen iſt, als aus den Häuſern
der Armen. Solche Kinder werden höchſtens weltkflug und verſchla-
gen, nie aber wahrhaft gut, edel und weiſe- Falſche Ehre, Ueber-
vortheilung Anderer, Beifall der Leichtſiunigen , der Weltmenſchen,
der Spdttler und Religionsverächter, iſt der Vorzug , nach dem ſie
ſtreben, dem Höhern und Heiligen bleibt ihr Sinn und Herz ent-
fremdet- Der Ausſpruch des Herrn: „„Seyd klug wie die Schlan-
gen und arglos wie die Tauben!“ (Matth. 10, 16.) wird nur zur
Hälfte von derlei Eltern berückſichtiget und in Anwendung gebracht.
Nur von der Schlangenklugheit, nicht aber von der Taubeneinfalt
wollen ſie etwas wiſſen und hören, Sie legen es nicht darauf an,
daß ihre Kinder fern ſeyen von Doppelſiun, Läge und Argliſt; nicht
einfach und oſfen ſollen ſie ſeyn, ſondern voll Verſtellung gleich Be-
trügern, die im Dunkeln ſchleichen, ſich heimlich verabreden, Lügen
auf der Zunge, Meineid im Herzen haben, Worte verdrehen, die
Einfachen und Argloſen überliſten, und dem Heiligen Hohn ſprechen.
Das iſt die Klugheit, die leider unter den Kindern dieſer Welt im
Schwange geht. Und woher dieſe giftige Pflanze im Menſchenleben
heut zu Tage? Daher, weil verblendete Eltern ſchon frühe den
Samen derſelben in die zarten Herzen ihrer Kinder ſtreuen und ſein
Emporkeimen zu befördern ſuchen. Nicht argloſen Tauben, ſondern
Schlangen ſollen ihre Kinder gleichen. Das iſt die Klugheit, wie
ſie wähnen, mit der man am beſten durch die Welt kommen und
ſein Gläc> machen kann. Religion und Sittlichkeit iſt in ihren Augen
weiter nichts, als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Und
doch bleibt es ewig wahr: „Der Weisheit Anfang iſt Gottesfurcht,
die haben die beſte Einſicht, die danach thun, ihr Ruhm beſtehet
ewiglich.““ (Pſ- 110, 10.)
Klüglinge. (S. Art. Grübler.)
Knechte, erziehen Knechte. Wir haben bereits an einem
andern Orte gezeigt, wo der Grund liege, warum man in unſern
Tagen ſo häufig über die Entartung der Jugend -- klage, und warum
hie und da Erzieher und Lehrer StoF und Ruthe wieder in Schuß
nehmen wollen- Man darf ſich auch nicht ſonderlich darüber alteri-
ven, wenn noch nicht vor langer Zeit ſich ein Volksſchullehrer in
einer Zeitſchrift geradezu erklärt hat, er wolle , ehe er ſich den Sto>
aus ſeiner Schule nehmen laſſe, lieber ſein Amt aufgeben. Zu einer
gleichen Erklärung dürften ſich wohl nicht wenige Schulmänner ver-
anlaßt finden, indem in ihren Schulen mehr als ſonſt Erſcheiuun-
gen ins Leben treten, welche es oft laut genug kundgeben, daß es
den Kindern an der Erziehung zum Gehorſam fehle. Durch die
fehlerhafte hänsliche Erziehung haben ſie eine ganz verkehrte Wil-
lensrichtung erhalten, und wenn nun damit noch eine höhere intel-
lektuelle Bildung in der Schule verbunden wird; ſo läßt es ſich leicht

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