Knechte erziehen Knechte, 781
lichen Häuſern und Schulen eingebürgert hatte, ſo war es doch
auch wieder die Liebe, als das Hauptgebot des Chriſtenthums, welche
die Hauptrolle bei der Erziehung ſpielte. Und gerade war es dieſe
Liebe, fern von jedem Terroriömus, die ihr heiliges Werk in den
Häuſern und Schulen trieb, die Belohnungen und Strafen nach
Verdienſt vertheilte. Die Vorwürfe, die man der alten Erziehungs-
weiſe zu machen pflegte und theilweiſe noch macht, laſſen ſich im
Allgemeinen nicht rechtfertigen. Nur unſere verweichlichte Zeit will
von dem oft noch ſo ndthigen Ernſte und der Furcht , die doch wohl
mit der Liebe beſtehen kann, nichts mehr wiſſen; ſie will lieber die
Kinder ihre eignen Wege gehen laſſen, zufrieden, wenn ſie ohne
vechte Willensrichtung ſich nur durch Intelligenz und Verſtandesbil-
dung auszeichnen. Wahr bleibt es zwar immer: ,, Knechte erziehen
Knechte 3“ allein ebenſo wahr iſt es auch, daß die Kinder ſo frühe
wie möglich zum willigen und pünktlichen Gehorſame an der Hand
der Zucht erzogen werden müſſen, wenn die Erziehung ihren Zweck
nicht ganz verfehlen ſoll. Neben einer angemeſſenen geiſtigen Ent-
wiekelung muß auch dem Herzen der Kinder die entſchiedene Rich-
tung auf das, was göttlich und heilig iſt, gegeben werden. -=- Die
neuen Aufklärungsſchulen ſtehen ſicherlich in mancher Beziehung weit
hinter den alten zurück, in welchen neben dem Leſen, Schreiben
und nothdäürftigem Rechnen der Katechismus vorzugsweiſe behandelt,
und die Ruthe gegen ſaule und widerſpenſtige Schüler angewendet
wurde. Damals hieß es: „vom Gedächtniß herab muß das Auf-
gefaßte im Herzeu wurzeln , nicht umgekehrt vom Herzen hinauf ins
Gedächtniß. Unten die Wurzel, oben die Krone und Frucht. Ein
Baum, deſſen Wurzeln im Boden haften, trägt Früchte; ſtellt man
das Unterſte zu Oberſt, ſo wird man keine Früchte erleben. Wach-
ſen muß die Frucht am Baume, nicht daran gehängt werden.“
Damit aus den Kindern durch Erziehung und Unterricht eine gute
Frucht herauswachſen konnte, wurden, wenn es ndthig war, Sto>
und Ruthe gebraucht. Heut zu Tage ſchlägt man einen andern Weg
ein, ob er aber ſo ſicher zum Ziele führe, iſt eine Frage, welche
die Zeit beſſer beantworten wird, als wir es zu thun im Stande
ſind. Wir wollen nich), daß unſere Kinder knechtiſch, wohl aber
an der Hand der Liebe Cbenſo wenig wollen wir abet auch aus bloßem übel verſtandenem
Humanismns die frühern Erziehungsmittel ganz beſeitiget wiſſen,
wann und wo die eingetretenen Umſtände ihre Anwendung unabweis-
bar nöthig machen, weil wir ſonſt geradezu der heiligen Schrift
widerſprechen müßten. (2. Moſ. 32, 20--27. Sir. 16, 1--4. und
30, 1--13 ) *) (S. auch Art. Stoc> und R uthe.)
*) Daß wir tur< obige Darſtellung das Stockregiment eines Schlaghardt
durchaus nicht in Schuß nehmen eder dasſelbe aum nur von fernher em
pfehlen wollen, wird ſich wohl ohne vnſere Erinnerung von ſclbſt verſtehen.
Uebrigens werden wir uns an einem anderen Orte hierüber umſtändlicher
und beſtimmter ausſprechen. "
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