792 Krummacher.
Krummacher (Friedrich Adolph.) Doktor der Theologie, ward
am 13. Juli 1768 zu Tecklenburg in Weſtphalen geboren. Nacdh-
dem er eine Zeitlang an der Hochſchule zu Duisburg als Profeſſor
der Theologie thätig geweſen war, entſchied er ſich, ſeinem Her-
zensdrange folgend, für den Beruf des praktiſchen Seelſorgers
und übernahm 1807 die Stelle eines ref. Predigers zu Krefeld,
die er jedo< noc< in demſelben Jahre gegen eine Landpfarrei zu
Kettwich in Weſtphalen vertauſchte. Später folgte er dem Rufe zu
einem erweiterten Wirkungskreiſe nach Bernburg, wo er als Con-
ſiſtorialrath , Superintendent und Oberprediger bis 1824 mit Segen
wirkte. Seit dieſem Jahre lebt er als Prediger an der Ansgarii-
Kir alter und neuer Zeit gaben ſeinem Geiſte eine vorherrſchende edle
Richtung. Von frühe auf gewohnt, dem Geheimniſſe der Entwicke-
lung des Menſchengeiſtes durch alle Lebensſtufen nachzuſpüren, mit
einem lebendigen Naturſinne begabt, und voll Empfänglichkeit für
die Sprache, mit der die Natur in Pflanzen, Stein und Sternen
zu uns ſpricht, ſah er bald überall, ſelbſt in den unſcheinbarſien
Vorgängen und Erſcheinungen der Außenwelt, Gleichniſſe, geheim-
nißvolle Beziehungen und fruchtbare Winke, und er hatte die Gabe,
dieſelben in einfach - kindlicher , dem bibliſchen Ausdru>e nachgebil-
deter Sprache zu kleinen oder größern Erzählungen und Gemälden
zuſammenzufaſſen. Er nennt dieſe ſelbſt „Spiele des innern Men-
ſchen ,„““ die bald ein Blick auf einen blühenden Roſenſtrauch oder in
das Abendroth , bald irgend eine kleine Freude , der ſtille Nachgenuß
einer in traulicher Freundſchaft oder mit einem ſchönen Buche ver-
lebten Stund , ein Spiel mit einem Kinde oder ſonſt eine Kleinig-
keit erzeugte. So trat er 1805 mit dem erſten Bändchrn ſeiner
„Parabeln“ hervor, die in mehrern aufeinander folgenden Aus-
gaben als ein vielgeleſenes Jugendbildungsbuch dem Verfaſſer die
Zuneigung des größten Theils der Leſewelt unter Jung und Alt er-
worben hatten. 1819 -- 20 erſchienen ſie in 2 Theilen zu Duis-
burg« Dieſe Parabeln ſollen nicht ſowohl als bloße Gleichniſſe prak-
tiſche allgemeine Wahrheiten veranſchaulichen, als vielmehr in der
höhern Bedeutung der hebräiſchen Parabel, aus der niedern Sphäre
des Sinnlichen zur Anſchauung des Ueberſinnlichen erheben. Krum-
macher hat in dieſer von ihm mit Vorliebe gepflegten Dichtungsform
ſehr viele Nachahmer gefunden, aber nur wenige dürften ihn in der
liebevollen Auffaſſung der Natur und des Menſchenlebens und mit
der Sinnlichkeit und Wärme der Darſtellung erreicht haben. Bis jekt
war die Parabel das eigentliche Gebiet dieſes gemüthvollen Dichters.
Dieß beweiſen auch ſeine Apologen und Paramythien „und das Feſt-
büchlein „““ eine Schrift für das Volk, die zuleßt (Duisburg 1819
bis 21) mit dem „„Neujahrsfeſte“ vermehrt, in drei Theilen erſchie-
- nen iſt. So hat Krummacher auch früher 1806 in einer andern
Schrift, „die Kinderwelt,“ das kindliche Alter auf eine liebliche
Weiſe aufgefaßt und dargeſtellt. JInsbeſondere tritt uns hitr ein
edles Gemüth entgegen, das dev Worte: „Laſſet die Kindlein zu

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.