794 " Kurzſichtigkeit.
und Reichen haben, wo nicht allemal: Geſchma>, doch Aug und Ohr
fär die Künſte, und verſtehen ſich überhaupt beſſer auf das Theater,
auf dem etwas geſpielt, als auf die geheime Arbeitsſtätte, in der
eine neue Schöpfung entworfen wird. == Da alſo die Vornehmen,
die Reichen, die Gelehrten den Künſtler als ihres Gleichen anſehen z;
ſo iſt es begreiflich, daß er an allen den Vorurtheilen der drei ver-
wandten Zünfte theilnehmen, und der Künſtlerſtolz jenen des Adels,
des Reichen, des Gelehrten nicht ſelten übertreſſen mag. Der Stolz
des Künſtlers, und wohl auch der des Gelehrten, gehen aber nicht
ſo leicht und ſo oft in Kinder über, wie der Stolz der Geburt und
der Habe. Denn im Künſtler , wie im Gelehrten, verſchlingt der
Künſtler , der Gelehrte, gern den Vater. Verſäumniß der Bildung
ihrer Kinder iſt ihrem Berufe wie eingeboren. Das Schöne auf
der Leinwand, im Marmor 2c. nachbildend , vergißt jener, die Züge
des Schönen in ſeinem Sohne zu enthüllen. Das Wahre in der
Natur, auf dem Pergamente, im Gemüthe forſchend , vergißt die-
ſer, die Züge des Wahren ſeinem Sohne einzugraben. Die Kinder
der Künſtler und der Gelehrten verſtehen alſo zu wenig von Kunſt
und Gelehrſamkeit, um darauf ſtolz ſeyn zu können. Dagegen die
Ehre der Geburt und der Werth des Geldes machen ſich, auch ohne
ſonderliche Verdeutlichung, durch die Beredſamkeit der Eltern und
ohne ſie, den Kindern leicht verſtändlich und wichtig genug. --- Da-
her erklärt es ſich, daß Erzieher und Lehrer auf dieſem Gebiete viel
Unfraut antreffen, und mit dem Ausraufen desſelben kaum oder nie
fertig werden können. Denn es iſt ſchwer auf dieſem Wege die
zwei vornehmſten Güter des Lebens, =- Gottſeligkeit im Ins»
nern und Arbeitstreue im Aeußern zu retten, und doch machen
dieſe die wichtigern Motnente in der Erziehung aus.
Kurſivſchrift (S. Art. Schreiben).
Kurzſichtigkeit. Zu den körperlichen Gebrechen, von wel-
und Stelle ſprechen werden, gehört auch die Kurzſichtigkeit, Weit-
ſchend kommt eigentlich der Menſc iſt anfangs, wie jede andere, ſchwach, und erſtreckt ſich nur auf
einen enger .gezogenen Kreis. Wahrſcheinlich würde ein Menſchen-
kind in ſeinem Leben nie gar weit um ſich her zn ſehen im Stande
ſeyn, wenn es ſich beſtändig innerhalb der vier Wände ſeiner Woh-
nung aufhalten müßte, und ihm nicht die Pforte auf ein anderes
und größeres Gebiet gedffnet würde. Dadurch erweitert ſich erſt
fein Geſichtskreis und ſein Auge wird im Freien geſtärkt, daß es
auch Gegenſtände in weiter Ferne noch deutlich und beſtimmt be-
merkt. Je enger ſonach der Geſichtskreis für ein Kind gezogen
wird, deſto mehr iſt er dazu geeignet, dasſelbe kurzſichtig zu ma-
den. Dieſes Gebrechen fängt dann insbeſondere ſich zu äußern
an, wenn dem Kinde feinere Arbeiten zu verrichten vorgeleget wer-
den, und es ſeine Augen re z. B. beim Leſen, Schreiben, Nähen, Sticken .2c. Viel trägt auch
dazu bei, wenn die Gegenſtände nur matt beleuchtet ſind, wie zur

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