Beſchäftigung, beſtimmte. 83
Schein umhüllen können , ſich unbedenklich zu erlauben, Hier iſt es,
wo der Lehrer die Kinder auf Gottes Allwiſſenheit und Allgegenwart
hinweiſen, und ihrem Herzen die Wahrheit tief einprägen muß:
„Hundert tauſendmal heller ſind die Augen Gottes, als die Sonne.
Er ſieht alle Wege der Menſchen, und blickt in die verborgenen Orte.“
Hier iſt es , wo er ernſt und kräftig an ihre Herzen mit dem from-
men Vater ſpricht : „Kinder! habet euer Leben lang Gott im Herzen
und vor Augen, und hütet euch, daß ihr nie in eine Sünde wiſliget,
und etwas thut, das gegen die Gebote Gottes iſt.'' (Tob, 4, 6.)
Ihr möget manchmal wohl denken, als ob ihr etwas Böſes heimlich
thun könntet, z. B. etwas wegnehmen, was euch nicht gehört, wenn
es nur Niemand ſicht, oder mich, euern Lehrer, euere Eltern und
andere Menſchen belügen, weil wir nicht wiſſen können, was ihr
denket ; oder ob das wahr ſey, was ihr redet. In euere Herzen kön-
nen wir nicht bliken , können nicht ſehen euere Gedanken. Aber
gantz anders verhält es ſich mit Gott; der ſieht und weit Alles , was
ihr denket, und was ihr im Sinne habt, Und er redet jedeömal, wenn
ihr heimlich Böſes thut, oder wenn ihr etwas Böſes im Sinne habt,
ſtill zu euerm Herzen, Wenn eines etwas heimlich wegnehmen wollte,
was ihm nicht gehdrt, ſo ſpricht er in ſeinem Herzen: Du ſollſt
nicht ſtehlen! u. ſ. w. Darauf folgt alſemal Unruhe und Angſt des
Herzens, und läßt einem ſolchen Kinde dadurch fühlen, daß das,
was es heimlich zu thun im Sinne hatte, Unrecht war. Wenn euch
demnach etwas Schlimmes in den Sinn kommt , ſo erinnert euch an
das goldne Sprüchlein? ,„,Wo ich bin, und was ich thu', ſieht mir
Gott, mein Vater, zu.“ Und ihr werdet gewiß gute und fromme
Kinder ſeyn!
Beſchäftigung, beſtimmte. Der Lehrer binde die Thä-
tigkeit der Kinder, wo möglich, immer an eine beſtimmte Beſchäf-
tigung. Mit der allgemeinen Erinnerung: „,Thue etwas , beſchäf-
tige dich, ſey nicht müßig 2c.““ iſt bei Kindern von leichtbeweglicher
Naturart wenig oder nichts ausgerichtet ; ſie fordern eine beſtimmte
Angabe deſſen , was ſie thun ſollen, und ein unbedingtes daraufhal-
ten, daß ſie es thun. Sie wollen etwas thun, ſich mit etwas be-
ſchäftigen 3 aber es wird großentheils Spiel und Tändelei, wenn ſie
wahrnehmen, daß das Auge des Lehrers ſie nicht bemerke. Die
Beſchäftigung mag ſeyn, welche ſie will, wenn ſie nur vorgeſchrieben
iſt, die Kinder daran gebunden und zur gehdrigen Vollendung der-
ſelben gendthiget ſind. Es verſteht ſich hier von ſelbſt, daß die Bo-
ſchäftigung bei Anfängern nicht zu lange dauernd, ihren Kräften an-
gemeſſen, und ſie bald nac< Beendigung derſelben mit einer neuen
und verſchiedenen wechſeln müöſſe. Zuweilen kann wohl der Lehrer
auch fragen, was ſolche Kinder am liebſten vor ſich nehmen möch-
ten ? Antworten ſie hierauf befriedigend, ſo kann er denſelben hierin-
falls willfahren , er muß aber ſtrenge darauf halten, daß ſie das
Angegebene nun auch wirklich thun. Können Kinder keine genü-
gende Antwort geben, ſo tritt der beſtimmte Wille des Lehrers ein,
der aber auch immer etwas Aufzugebendes in Bereitſchaft haben muß,
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