84 Beſchämung =- Beſchämungsmittel.
Beſchämung. Der Schullehrer wird auch dem falſchen Ehr-
gefühl jede dſfentliche Beſchämung, wo möglich, erſparen. Er darf
vorausſeßen , daß es ſich entweder auf Irrthum, oder auf ein ein-
gepflanztes Vorurtheil gründe, Belehrung iſt hier das einzig Nö-
thige und zum Ziele Führende, und dieſe wird am Sicherſten
und Nachdrücklichſten unter vier Augen gegeben. Erſt dann, wenn
eine ſolehe nach geſchehener mehrmaliger Wiederholung ganz frucht-
los , und alſo das beſſere Gefühl auf dieſem Wege nicht mehr an-
geregt werden könnte (was jedoch) nur in ſeltenen Fällen ſtattfinden
dürfte), müßte ein ſolches Kind vor der ganzen Klaſſe beſchämt und
zur Beſinnung gebracht werden. Colche Beſchämung bleibt jedoch
immer ein Mittel , welches nur im äußerſten Nothfalle anzuwenden
it, indem ſtets vorausgeſelkt werden muß, daß, wo überhaupt
noc< Ehrgefühl, ſelbſt ein falſchgeleitetes, im Innern des Kindes
wohnt, es dem Lehrer an einem Anhalt für ſeine Belehrungen und
Vorſtellungen nicht fehle, und er alſo auch die Hoſfnung, durch ſie
zu wirken , nicht aufgeben dürfe. Auf ſolche Weiſe ſuche der Leh-
rer aber auch das Ehrgefühl in die rechte Bahn zu leiten. Der
Knabe z. B. braust bei jeder Beleidigung auf, und will ſich rächen.
Da ſuche ihm der Lehrer zu zeigen, daft es eine weit größere Ehre
ſey , Beleidigungen zu verzeihen, als ſich darüber zu ereifern. Er
läßt denſelben an Beiſpielet ſehen, wie ſchön und edel dieſe Tu-
gend daſtehe gegen kleinliche Rachſucht. Oder wir nehmen an, ein
Knabe maſſe ſich einen Vorzug vor andern an, und achte ſie gering,
während er von ihnen hochgeachtet ſeyn will; er erlaube es ſich, fie
zu tadeln , zurechtzuweiſen, zu beſchimpfen eder gar zu ſc während er ſich von ihnen nichts von allem dem gefallen läßt.
Kommen nun ſolche Zwijte vor des Lehrers Gericht, jo mache er
wenig daraus , ſtelle beiden Theilen ihr Unrecht vor; dem Einen,
daß er ſich gegen Andere erlaubt , was er ſich ſelbſt von ihnen nicht
gefallen laſſen will; dem Andern, daß er ſich auf eine ſchmähliche
und unerlaubte Art gerächt habe, wo er eher hätte Mitleid zei-
gen ſollen mit der Schwachheit, die ſich ſelbjt nicht regieren
kann, und der Ungezogenheit, die es nicht weiß, wie man jich gegen
Mitſchüler verhalten ſoll, und die durch Schimpfen und Schlagen ſich
ſelbſt mehr Schande zuziehe, als dem Andern, Hier fügt der Lehrer
bei: Ich will nun ſehen, wie ihr euch beide gegen einander betragen
werdet, und mich herzlich freuen, wenn ihr cs durch Fleiß, durch
Verträglichkeit und freundliche Reden dahinbringet, daß ich ener lieb-
loſes und häßliches Betragen wieder vergeſſen kann 2c.
Beſchämungsmittel, von welchen der Schullehrer keinen
Gebranch machen darf. QHieher gehören insbeſendere : niedrige
Schelt- und Schimpfworte; = alle aus der Pöbelſprache entlehnten
Ausdrücke; =- alle Widerwillen erregenden Beinamen z =- alle belei-
digenden Anſpielungen auf leibliche Gebrechen, anf Stand und Ge-
werbe der Eltern, wie alle kränkenden und ſchlechtgewählten Ver-
gleichungen 3 = alle Benennungen , die auf Geiſtesſchwäche oder ſitt:
liche Verdorbenheit Bezug haben; alle Beſchimpfungen durch Schand-

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