104 Unluſt =-“ Unmündigkeit, Linie derſelben.
„Sammelt man auch Trauben von Dornen oder Feigen von Di-
ſteln ? -- Und das iſt unſtreitig die verkehrteſte Erziehungsmethode,
welche das Kind ſich ſelber bis in das ſechste, ſiebente oder achte
Jahr überlaſſen und dann erſt zu erziehen und auszujäten anfangen
will, wenn daſſelbe bereits verzogen und voll Unarten iſt. Die Exr-
ziehung muß ihr Werk ſo frühe wie möglich beginnen, und ſolches
mit dem redlichſten Eifer und der größten Sorgfalt fortſeben und
vollenden. Es geht der ſpäten Erziehung, wie der ſpäten Reue,
beide gleichen einem hin>enden Boten. Alſo frühe muß dafür ge-
ſorget werden, daß kein Unkrautſame auf den Ac>ker d,. i. in das
Herz des Kindes geſtreuet werde, damit er der reinen und guten
Weizenſaat nicht ſchade. Iſt jedo Hand Unkrautſaamen unter den guten Weizen ausgeſtreuet worden ;
dann muß der Erzieher vorſichtig bei der Ausjätung des Unkrauts
ſeyn. (Matth. 13, 26--30.)
Unluſt. (S. Art. Gefühl, ſinnliches.)
Unmäßigkeit. Wer das gewöhnliche Maaß im Eſſen und
Trinken 26, überſchreitet , iſt unmäßig. Die Thiere des Feldes freſ-
ſen und ſaufen, aber doch nur ſo lang, bis ſie geſättiget ſind. Der
Menſc< dagegen ſoll eſſen und trinken, und nie den Zweck dabei
aus dem Auge verlieren. Geſchieht dieß, dann ißt und trinkt er
nicht mehr, ſondern er frißt und ſauft und lebt unmäßig ; unmäßi-
ger Genuß aber ſchwächt und zerrüttet den Körper eben ſo ſehr, als
mäßiger ihn ſtärkt und erhält. Wir wollen hier nur anführen , was
Hippel über dieſen Gegenſtand in ſeinen Herbſtblumen (B, 2. S. -
49) ſagt: „„Wie das Gewitter der Erde --- das Erdbeben -- Men-
ſchen zu Tauſenden und ganze Städte begräbt, dagegen die Gewitter
des Himmels nur Einzelne tödten, ſo fallen in derſelben Proportion
mehrere durch ihre eigene Gier und Laſter, als von dem zufälligen
Flugdonner der Zeit, dem Kriegsſchwerte.““ Sollte nun wohl die
Erziehung nicht Alles aufbieten, um die Jugend vor Unmäßigkeit
im Eſſen und Trinken möglichſt zu bewahren? --- Nicht bloß vor
Ueberfüllung , ſondern auch vor Leckereien und ſtarkem Getränke ſol-
len die Kinder geſichert bleiben. Wohl mögen ſolc wohlſchmecken , aber ſie bekommen nicht gut, wenigſtens nicht fär
die Länge. Sollen ſie daher geſund bleiben, ſo müſſen ſie ſchon
frühe daran gewöhnt werden, Maaß in allen Sachen zu halten,
Sir. 30, 14-17. Luc, 21, 34. (S. Art. Mäßigkeit und Naſc<-
haftigkeit.)
Unmündigkeit, Linie derſelben. Unter dem Aus»
drucke -- unmündig, Unmündigkeit -- verſtehen wir eigentlich dem
Wortlaute nach) das Unvermögen, den Mund zum Reden gebrauchen
zu können, und daher noch einen Vormund und Führer nöthig hat.
In einem ſolchen Falle befindet ſich das Kind (vy7mog) von der
Stunde ſeines Eintrittes in dieſes Leben an, d. i. es bedarf
fryemder Hülfe und Führung ſo lange, bis es im Stande iſt, ſein
eigenev Führer zu ſeyn. Dieſe Zeit iſt die natürliche Gränze der

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.