106 Unordnung.
Weihnachtsabende oder an ihrem Geburts - und Namenstage eine
recht freudige Ueberraſchung bereiten, und glauben das Gemiſch von
Spielſachen oft nicht bunt genug machen zu können , oder ſte ſuchen
für das weinende Kind alle Spielſa mer auftreiben können, und legen ſie ihm vor, um es ruhig zu
machen. Dadurch wird ihm jedoch nur ein kurzer Genuß bereitet,
Auge , Ohr und Einbildungskraft für eine kleine Weile beſchäftiget,
und eben deßhalb bald Sättigung und Ueberdruß bei dem verwöhn-
ten Kinde herbeigeführt. Mit allen dieſen Sachen iſt im Grunde
für die eigene Kraftanwendung ſo viel als nichts gethan, und der
Thätigkeitstrieb bleibt unangeregt. Iſt aber auch das Kind des
Spielens müde, ſo wird meiſtens etwas unterlaſſen, was beſonders
wichtig iſt, und dem Kinde wieder zur ſpielenden Beſchäftigung die-
nen könnte, nämlich die ſämmtlichen Spielſachen aufzuräumen und
an den gehdrigen Ort zu bringen. Statt deſſen werden ſie liegen
gelaſſen, oder herum geworfen, und zuleßt ohne daß das Kind daran
theilnimmt, von der Mutter oder einem Dienſiboten zuſammenſucht
und an Ort und Stelle gebracht. Dadurch wird die ſchönſte Gele-
genheit, ein ſolches Kind zu einer geregelten Thätigkeit anzuleiten,
verſäumt; es muß auf ſolche Weiſe unordentlich, ſaumſelig und
träge werden, und nie wird es die ihm gehörigen Sachen recht ach-
ten lernen. Anſtatt daß Mätter und Mentoren ordentlich auf An-
läſſe bedacht ſeyn ſollten , die kindliche Thätigkeit in Anſpruch zu
nehmen , machen ſie dem Kinde vielmehr Alles recht bequem , über-
heben es des Denkens, Suchens, Findens , Holens 2c. , thun dieß
Alles ſelbſt, und machen es hiedurch nicht allein träge, ſondern auch
unbeholfen , linkiſch und ungeſchiekt. Aus einer ſolchen Verabſäu-
mung gehen dann die arbeitſcheuen und unordentlichen Kinder her-
vor, die gern Andere für ſich arbeiten und ordnen laſſen, lieber tän-
deln als ſich ernſtlich beſchäftigen, und am liebſten ihre Zeit mit
Nichtsthun und leeren Spielereien hinbringen. Wie ſpät lernt da
manches Kind in höhern Ständen ſich nur an- und ausfleiden, wa-
ſchen , kämmen 16. Wahrlich die Kinder haben bei vielen ärmern
Familen das voraus , daß ſie, ſich ſelbſt überlaſſen , wenigſtens zur
Anſtrengung unverdroſſener und leiblich kräftiger werden. (S. aud)
Art. Thätigkeit und Art, Ordnung.)
Unordnung. (Mangel der Ordnung.) Dieſe Untugend giebt
ſich an Kindern dadurch kund, daß ſie weder zur gehörigen Zeit zur
Schule kommen, noch ihre Thätigkeit auf die ihnen zugemeſſene
Zeit beziehen und darnach einrichten. Sie ergreifen ſtatt der vor-
gelegten Arbeit eine andere, die ihnen mehr zuſagt, und bringen
das, was ihnen zur Fertigung der Arbeit nöthig iſt, entweder gar
nicht oder nur theilweiſe, unvollſtändig und mangelhaft mit. Frommt
hier die Belehrung und Mahnung des Lehrers nicht, und wollen ſie
ſich nicht von der Nothwendigkeit und dem Nußken der Ordnung
überführen laſſen, ſo bleibt kein anderes Mittel übrig, als ſie die
Folgen der Unordentlichkeit fühlen zu laſſen. Wenn z. B. ein Kind
ſeinen Schulbedarf nicht in Ordnung hält und dadurch gehindert wird,

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