Unſchuldige Erholungen, 111
frau Maria, wie ſolche in Chr. Schmid's 79 (5. u. verm. Aufl.) vorkommt, öfters beten oder ſingen ließe.
Schwerlich könnte dieſes ſchöne auf die Herzen der Kinder verfehlen, und ihnen die Unſchuld in
hohem Grade werth und liebenswürdig für ihr ganzes Leben ma-
gleicht die Unſchuld, die nicht fragt, vb man ſie ſieht. (Angel.
Sileſ.) (Sir. 1, 16. 2, 12. 25, 14. 15. Jer. 32, 40. 4, 20,
2, Cor. 7, 13. Spr. 11, 35. Ph: 25, 6.) (Man ſehe auch Art.
Erzieh. d. Töchter.)
Unſchuldige Erholungen. Allerdings ſind auch der Iu-
gend Stunden der Erholungen unentbehrlich, und dieß ſowohl für
ihren Geiſt, als auch zur Erhaltung und Bewahrung ihrer Geſund-
heit und ihres Lebens. Denn nicht umſonſt hat Gottes Güte den
Menſchen mit ſo vielen Gegenſtänden umgeben, die ihn zum Ge-
nuſſe einladen, und nicht umſonſt hat er den Trieb zur Freude in
ſein Herz hinein gelegt. Der Apoſtel ſagt ſelbſt: „Freuet euch im
Herrn immerdar, ja, noch einmal ſag ich's, freuet euch!“ Jedoch
müſſen Alle Arten von Genüſſen und Erholungen, die den Kindern
werden , für ſie lediglich nur Mittel zur Erheiterung des Geiſtes und
zur Stärkung ihrer Geſundheit ſeyn. Nie dürfen ſie von ihnen als
Zwe> des Lebens betrachtet werden. Es dürften daher in dieſer
Beziehung folgende Regeln und Vorſchriften genau zu beobachten
ſeyn: a) Die Stunden der Erholung müſſen jederzeit in einem an-
gemeſſenen Verhältniſſe zu den Stunden nübßlicher Thätigkeit ſtehen.
Nur dann iſt den Kindern Ruhe und Erholung zu geſtatten, wenn
die Kräfte des Geiſtes und des Leibes dieſelbe ndthig haben, und
wenn für ſie eine Zerſtreuung des Gemüths oder ein angenehmer
Wechſel der Beſchäftigung wohlthätig iſt. So lebhaft auch die Be-
gierde der Kinder nach Zerſtreuung iſt, ſo darf doch der wahre
Zweck derſelben nie aus dem Auge gelaſſen werden. Sind Eltern
und Erzieher gleichgültig dagegen, ſo tragen ſie ſelber dazu bei, daß
-zuleßt eine Entwöhnung von nüklicher und geregelter Thätigkeit bei
den Kindern erzeuget wird, die ihnen oft durch das ganze Leben
anhängt. Die Erfahrung weiſet dieß zu umſtändlich nach, als daß
wir für nöthig halten können, Beiſpiele aus dem Leben hierüber
anzuführen. Zmmer muß die Regel feſt ſtehen bleiben: Auf Arbeit
ſoll Ruhe und Erholung , und auf Ruhe und Erholung wieder Arbeit
folgen. b) Zede Erholung muß den Kindern unterſagt werden,
welche nicht zu den unſchuldigen Lebensfreuden gehört. Unſchuldig
ſollen alle Erholungen der Kinder ſeyn- Iſt das nicht der Fall, ge
ſtattet der Erzieher ſeinen Zöglingen unerlaubte und ſchädliche Freus-
dengenüſſe, dann reißt er in den Stunden der Ruhe und Erholung
nieder , was ſeine Hand in den Stunden des Fleißes baute, und
knüpft an die ausgelaſſene Luſt derſelben den Fluch des Himmels
und der Erde. Unſchuldig müſſen die Freuden der Jugend ſeyn ; ſie
muß ſelbſt ſolche Erholungen mit Vorſicht genießen, welche, obwohl
ſie an ſich ſelbſt unſchuldig ſind, dennoch leicht zum Böſen verleiten

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