Ank Sailer fg 55
Unweſentliche = Unzufriedenheit. 131
Ueberhaupt ſey die ganze Handlungsweiſe des Lehrers gemeſſen und
beſtimmt. Jede Blöße, die er durch etwas Schwankendes, Unſtetes
und Unſicheres in ſeinem Benehmen ſeinen Schülern giebt, wird ein
ſchwer zu beſeitigendes Hinderniß ſeiner erziehenden Wirkſamkeit.
Die Kinder müſſen in jedem Falle wiſſen , wie ſie ſich zu ihrem
Lehrer zu benehmen und weſſen ſie ſich zu ihm zu verſehen haben.
Der Lehrer darf kein Rohr ſeyn, das von jedem Winde hin und her
gewehet wird. Er muß ſich durch Feſtigkeit bei ſeinem Verhalten,
durch ein geſeßtes Weſen auszeichnen- Was er geſtern that, wie
er geſtern urtheilte und ſich benahm , ſo muß er aul) heute thun,
urtheilen und ſich benehwen. Zeigte er ſich unter Umſtänden ent?
weder freundlicher oder ernſter, ſo muß er es unter denſelben Um-
ſtänden wieder thun. Nur durch ein ſolches gemeſſenes und be-
ſtimmtes Benehmen werden die Kinder nicht nur allein nach und
nach gewöhnt , ihre widerſtrebenden Neigungen und Begierden"a1n
ſeinem feſten Willen ſcheitern zu ſehen, ſondern er ſichert ſich auc
ihr Vertrauen, ohne welches er ohnehin ihrem Gemüthe nicht bei-
kommen könnte. Beharrlichkeit bei dem, was einmal als Gebot
oder Verbot ausgeſprochen iſt, bezeichne alſo das Verhalten des
Lehrers. (Joh. 11, 7.)
Unweſentliche, das, darf in Beziehung auf das
Weſentliche nicht feſtgehalten werden. (S. Art Mittel
und Zweck.)
Unwiſſenheit in religidſer Beziehung iſt beſjon-
ſonders gefährlich. Unſere Kinder ſollen in der Kenntniß gött-
licher Dinge möglich gefördert werden, wenn ſie anders wahrhaft
weiſe und des Reiches Gottes theilhaftig werden ſollen. Die hei-
lige Lehre, welche Chriſtus und ſeine Apoſtel verkündeten, iſt un?
ſtreitig die Quelle aller wahren, ja der höchſten Weisheit. Der
Boden muß ſchon frühe für die himmliſche Ausſaat empfänglich ge?
macht werden, weil ſie ſonſt unfruchtbar bleiben würde. Nicht
wandeln ſollen unſere Kinder in der Thorheit des Sinnes, wie der
Apoſtel ſagt, verfinſtert im Verſtande, entfremdet dem Leben aus
Gott, durch die ihnen. inwohnende Unwiſſenheit und durch die Fühl-
loſigkeit ihres Herzens. (Epheſ. 4, 17. 18.) Die unmittelbare
Folge der Unwiſſenheit in den Lehren und Wahrheiten , die Gott
zum Heile der Welt in ſeinem Sohne in den Tagen der Gnadenfülle
gegeben hat, iſt Rohheit des Gemüthes und Schändlichkeit der Sitz-
ten. Dieſe Folge iſt unvermeidlich, wenn der Religionsunterricht in
der Schule vernachläßiget oder nicht auf eine mehr umfaſſende und
zwemäßige Weiſe ertheilt wird. Nimmer wird man gewahren die
heilige Kraft des Glaubens , wie ſie ſich bei den wahrhaft Erleuch»
teten und Frommen im Volke kund giebt, nimmer einen Gott ver»
herrlichenden Sinn und Wandel, wo der Hintergrund geſiellt und ihm jede andere profane Kenntniß vorgez0-
gen wird. Will man daher für das eigentliche und bleibende Wohl
der aufblühenden Menſchenwelt auf eine befriedigende Weiſe ſorgen,
ſo muß nan ſie bereichern mit den Schäßen des Himmels , oder

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.