Urtheile des Lehrers über ſeine Leiſtungen, 163
Geſchichte wird ihm hiebei ſreundlich die Hand reichen. Hier fin-
det ev die treffendſten Beiſpiele von Uneigennüßigkeit bei eigener
Durftigkeit, von aufopfernder Dienſiſertigkeit, von Großmuth gegen
Feinde, von thätiger Dankbarkeit, von Muth in Gefahren, vom
feſten Vertranen auf Gott, von treuer Freundſchaft 16. die mit den
gegenüberſtehenden Untugenden verglichen werden können. Beiſpiele
der Art werden hier ihre ſegenreiche Wirkung nicht verfehlen.
Urtheile des Lehrers über ſeine Leiſtungen, Die
Erfahrung hat es dfters ſchon nachgewieſen und weiſet es immer
noch auf eine wenig empfehlende Weiſe nach, daß zwiſchen den
Pfarrheren und Schullehrern manc entſtehen, wenn jene mit den Fortſchritten der Volkskunde nicht
gleichen Schritte halten und wohl auch in manchen Beziehungen
nicht halten können, und dieſe dagegen den Werth ihrer Kenntniſſe
zu hoch anſchlagen und ihre Leiſtungen überſchäßen, oder den be-
zeichneten Kreis ihrer Befugniſſe überſchreiten. Dieſe tberſpannten
Urtheile eines Schullehrers theiis über ſeine vermeintlichen Kennt-
niſſe im Fache der Erziehungs - und Ueberrichtskunde, theils über
ſeine Leiſtungen in der Schule und das Ueberſchreiten des Kreiſes
ſeiner Befugniſſe führen dann häufig zu Irrungen und Zerwürfniſ-
ſen zwiſchen ihm und dem Pfarrer, und äußern ihren nachtheiligen
Einfluß gegenſeitig auf Kirche und Schule, und zwar auf eine be-
klagenswerthe Art. Wenn kein Menſc< Urſache hat, ſich über das,
was er weiß und leiſtet, zu erheben, ſondern fich vielmehr mit dem
Apoſtel St. Paulus ſeiner Schwachheit zu rühmen ; (1. Cor. 9, 16.)
ſo ſoll das um ſo weniger von Seiten eines Lehrers geſchehen, wel-
Ruhm und Ehre verdienet, dieſe Ehre und Ruhm nicht ihm, ſon-
dern Gott gebühre. Ihm ziemt es, bei Allem, was er kann und
thut, Gott zu ehren und ſeinen Namen zu preiſen, Der Sc kenntniß deſſen, was in ſein Amt und ſeinen Beruf einſchlägt, in
ſteter Demuth vor Gott und den Menſchen ; er vergißt es nie, daß
all unſer Wiſſen doch weiter nichts, als Stückwerk und unvollkom-
men iſt; er überſchäßt auch ſeine Leiſtungen nie, ſondern er ſpricht
vielmehr bei allem, was er thut ; I< bin ein unnüßer Knecht,
und thue nur, was ich zu thun ſchuldig bin, Auch hält er ſich ge“
nau inner den Grenzen ſeiner Befugniſſe, und erlaubt ſich weder in-
dieſem noch jenem Stücke irgend einen Uebergriff, wodurch das
friedliche Verhältniß zwiſchen ihm und ſeinem Pfarrheren geſtört
werden könnte. Er bleibt bei ſeinem Amte und Berufe „und wartet
mit allem Fleiße und der möglichſten Sorgſamfeit der Lehre und des
Amtes. Auf ſolche Weiſe wandelt er zufrieden und ruhiza ſeine
Bahn, und bietet auch in Allem, was ſeines Amtes iſt, dem Seel-
ſorger freundlich ſeine Hand, wohl wiſſend, daß Schule und Kirche
zwei Schweſtern ſind, und daß, wenn eine über die andere herr:
ſchen, eine die andere geringe halten, oder eine die andere beſchrän-
ken -will , nichts als Unfriede und die nachtheiligſte Zwietracht dar-
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