174 Verachtung,
beſonders auf dem Lande manche Kinder fühlloſe, ſtumpfe und gleich»
gültige Gemüther mit ſich in die Schule bringen (S. Art, Fluch-
und Schimpfwörter und knechtiſcher Sinn 26.) Hier fragt es ſich
nun : Was kann und ſoll die Schule thun, um das verabſäumte
oder irregeleitete ſinnliche Gefühl zu heben und wieder auf den
rechten Weg zu leiten ? = Es treten hier dem Lehrer allerdings
mancherlei Schwierigkeiten entgegen , weil die Gefühle der Kinder
nach der ungemein großen Verſchiedenheit der Erziehungsarten vers
ſchieden abgeſtufet ſind, die er nicht unberückſichtiget laſſen darf.
Einige bedürfen einer ſtarken Anregung, andere dagegen nur eines
leiſen Winkes. Dem Lehrer kann deßfalls im Allgemeinen nichts ſo
dringend empfohlen werden, als ein immer heiteres und ſich möglichſt
gleichbleibendes Weſen, indem dieſes bei allen Kindern ohne Aus-
nahme anwendbar iſt, und ſelbſt auf die Mehrzahl derſelben übergeht,
Gelingt es ihm, das Gefühl der Freudigkeit in ſeiner Schule herrſchend
zu erhalten, ſo hat er gethan, was er thun konnte bezüglich auf Bildung
und Schonung des ſinnlichen Gefühls. Ein ſolches Verhalten wird
es nicht ndthig machen, daß der Lehrer bei ſeinen Kindern dur)
Schrecken und Furcht, durch Sto> und Ruthe herrſche; bei ſonſt
ungehorſamen und verſtockten Kindern wird er die Erfahrung machen,
daß auch das abgeſtumpfte Gefühl für liebreiche und vernünftige Vor-
ſtellungen immer noch empfänglicher iſt, als für die Eindrücke körper-
licher Strafe. Es hat ſich, nach dem Geſtändniſſe erfahrener Scul-
männer, als das Zweckmäſigſte befunden, ſolchen Kindern bloß zu
ſagen ? „„Du bleibſt nach der Schule hier, um mich an etwas zu erin-
nern.“ Die darauf folgende Vorhaltung bleibt nie wirkungslo0s, =
Gegen den Mißbrauch ſinnlicher Genüſſe bedarf es für den Lehrer kei-
ner Mahnung, da ihm ſolche ohnehin nicht leicht zu Gebote ſtehen.
Dieß wäre ſonach no ziehung auf Hebung des verabſäumten ſinnlichen Gefühls aufmerkſam
machen zu müſſen geglaubt haben. (S. auch Art, Gefühlsvermdö-
gen, Il. a) Bildung des ſinnlichen Gefühls.)
Verrachtung iſt das Gegentheil von Achtung, welche im
Wohlgefalien an einer Perſon beſteht, die dem ſittlichen Geſeke gemäß
denkt und handelt, Wer nun aber ſeine Denk- und Handlungsweiſe
nicht nach der Vorſchrift dieſes heiligen Geſetzes einrichtet, kann kei:
nen Anſpruch auf Achtung machen, vielmehr veranlaßt er dadurch die
Verachtung ſeiner ſelbſt, An wem Gott kein Wohlgefallen haben
kann, an dem können auch Menſchen keines haben, Verachtung iſt
ſein Theil. Wenn daher Achtung die Anerkennung eigener Würde iſt,
die nur an der Perſönlichkeit hängt, ſo iſt Verachtung Nichtanerken:-
nung dieſer Würde, auch auſſer der Perſon, an der ſich die Willkähr
in Reden und Handeln zu erkennen giebt, Inſofern nun aber dieſes
Reden und Handeln nur ein Hervortreten, ein Offenbarwerden der
Geſinnungen iſt, ſo giebt ſich dieſe Wililkähr in den Geſinnungen, Abs
ſichten und Gedanken ſelber kund. Da nun der Menſc< der Träger
ſeines eigenen Bewußtſeyns, oder eine geiſtige Einheit iſt, aus welr

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