Thätigkeitstrieb. 27
zeuge erforderlich ſind, mit ihren Gedanken umher ſchwärmen , und
ſie deßhalb ſchlecht verrichten z. B. beim Schreiben, Leſen 2. Man
legt einem ſolchen Kinde gewöhnlich Geiſtesabweſenheit zur Laſt,
während man oft nichts finden ſollte, als eine Fülle geiſtigen Thätig-
keitstrieb. Eben ſo hängt mit ihm der Sprech - und Sprachtrieb
zuſammen, der bei den meiſten Kindern ſo groß iſt, daß er ſogar
der körperlichen Entwicklung der Sprachwerkzeuge weit voraneilt.
Findet der Thätigkeitstrieb die rechten Stoſfe und die ihm angemeſz-
ſene Richtung, ſo wird er ſich im Knaben - und Jünglingsalter
herrlich entfalten; Fleiß, Betriebſamkeit, freudige Anſtrengung 26«
wird aus ihm hervorgehen. Namentlich muß die Schule den Thäz-
tigketstrieb in Anſpruch nehmen, ihn aber mehr und mehr auf das
Ernſte lenken, und darf höchſtens im erſten Halbjahr noc) manches
Ernſte ſpielend betreiben. Nöthig aber bleibt es, die kindliche Thäz-
tigkeit ununterbrochen rege zu erhalten, weil ſie ſonſt entweder in's
Plaudern und unruhiges Weſen augartet, was die Schule nicht dul-
den kann, oder unter dem Zwange der Schulzucht ein dumpfes, ge-
dankenloſes Hinbrüten an ihre Stelle tritt, das ſowohl in geiſtiger
als ſittlicher Beziehung nachtheilig iſt. Die Schule iſt es, welche
die geiſtige Thätigkeit ausſchließlich in Anſpruch zu nehmen und alle
Seelenkräfte auszubilden hat. Dieß kann aber nur vermittelſt der
eigenen Geiſtesthätigkeit der Kinder erzielet werden, Der Lehrer
muß daher überall anregend zu Werke gehen und jeden Unterrichts-
gegenſtand ſo zu betreiben ſuchen, daß er von der Selbſtchätigkeit
ſeiner Kinder überzeugt bleibe. Sie verlieren, wo angettrengtes
Denken ndthig iſt, leicht die Aufmerkſamkeit. Jedoch der Lehrer
darf die Geduld nicht verlieren ; er werfe zuweilen eine Frage da-
zwiſchen, wie z. B. Habt ihr auch alle verſtanden, was ich geſagt
habe ? Und wenn ſein Vortrag nicht ganz aufgefaßt iſt, ſo frage
er theilweiſe ab, oder ſpreche nach Verhältniß der Umſtände : Nun
gebt Acht , ich will wiederholen, was ich geſagt habe. Ein ander-
mal laſſe er die Kinder untereinander ſich Fragen vorlegen über das,
was er vorgetragen hat. Hat er eine Aufgabe gegeben, ſo laſſe er
die Kinder ähnliche Aufgaben bilden und ldſen. Er juche jelbſt dem
Schreiben, Leſen und Auswendigſagen die Denkthätigkeit beizugeſel2
len» Er laſſe ſonach die Buchſtaben nicht blo); gedankenlos nach?»
ſchreiben, ſondern auc) eine deutliche Beſchreibung davon geben, die
den Kindern dann beim Schreiben immer vorſchwebt. Bei dem er-
ſten Leſen einzelner Worte iſt die Denkthätigkeit vorzugsweije nur
auf das richtige Ausſprechen , wenig aber oder gar nicht auf den
Sinn und die Bedeutung derſelben gerichtet- Wenn nun aber
gleichwohl das Ausſprechen im Anfange die Hauptſache iſt, ſo kann
doch ſchon beiläufig auf den Sinn hin gedeutet und etwa gefragt
werden: Weißt du aber auch, was das iſt? Je mehr das Leſen
zur Fertigkeit wird, deſto mehr muß auf den Sinnverſtand gehalten
werden, ſo daß am Ende den fertigleſenden Kindern die gedrukten
oder geſchriebenen Worte weiter nicht anders ſind, als ſichtbare
Gedanken. Und dieß iſt eigentlich das lekte und höchſte Ziel

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