262 Vietorin von Feltre.
alle Sorge, damit ihm Nichts entgzienge, was Lob oder Tadel ver-
diente, und gab den Schüler ſtets Rechenſchaft von dem niederge-
ſchriebenen Urtheil. Er mochte dſfentlich oder privatim- lehren, ſo
verlangte er ungetheilte Aufmerkſamkeit. Er rieth ſeinen Lehrlingen
das Vorgetragene zu überdenken, das, was ihnen unverſtändlich und
dunkel geblieben war , ſogleich zu notiren und die deutlichere Erklä:
rung des Lehrers darüber zu fordern. So ließ er auch das Erlernte
fleißig wiederholen. Daher kam es denn auch, daß viele von ſeinen
Schüler ſchon in ihtem zarten Alter die herrlichſten Fortſchritte mach-
ten. Bei Allem, was. V. für die Geſundheit des Körpers und die
Bildung des Geiſtes ſeiner Zöglinge that, ſuchte er insbeſondere ihre
Herzen zu bereichern mit der Tugend und religidſen Gefühlen. Auf
dieſes Hauptkmoment aller Erziehung richtete er ſtets ſein Augen-
merk und unterſtüßte ſeine Lehre immer mit ſeinem eigenen Bei-
ſpiele. Aufmerkſam prüfte er die Geſinnungen ſeiner Schüler Über
Religion , in welchen er ſelbſt den Unterricht ertheilte. An jedem
Morgen verſammelte er ſie zum Gebete und der Bitte zu Gott, daß
er ihre Seelen und Körper rein erhalte, und dieſem ſrommen Ge-
bete fügte er noch einige heilſame Betrachtungen und kurze Ermun-
terungen bei. An Sonn - und Feſttagen ließ er ſie die öffentlichen
Tempel beſuchen und achtete ſorgſam darauf, daß ihr Betragen den
der Andacht wegen Verſammelten zur Erbauung gereichte. Seine
Schüler behandelte er mit großer Sanftmuth und Freundlichkeit,
daß ſie ihn nicht nur liebten, ſondern bis zum Himmel erhoben.
Fand er überall guten Willen, Gelehrigkeit und Folgſamkeit, dann
ſogte: er ſeine Freude offen an den Tag und: drückte mit Thränen
der Wonne den an ſeine Bruſt, welcher durch eine ausgezeichnet tu-
gendhafte Handlung die edlere Richtung ſeines Herzens bekundete.
Und ſo zeigte V. in allen Beziehungen den erſtaunenswäürdigſten pä-
dagögiſchen Takt, Mit einem Worte, V,'s Erziehungsanſtalt zeich-
nete ſich ſo ſehr aus, daß aus derſelben die edelſten Jünglinge, als
eine Zierde des Vaterlandes, hervorgiengen. So mild und freigebig
er zu Padua und Venedig war, indem er da ſein ſc men mit den ärmern Zöglingen theilte, eben ſo ſehr, ja noc) un-
glei mehr war er es zu Mantua, wo er förſtlich beſoldet wurde.
Seine Freigebigkeit wuchs zu einer Höhe, daß die Summen , die er
auf ſeine ärmern Schüler verwendete, bereits das Unglaubliche über-
Fiegen. Prendilacque ſagt, daß die Zahl derjenigen, die er un-
geldlich unterrichtete, nährte, kleidete , mit koſtbaren Büchern und
andern zum Unterrichte nödthigen Hülfsemitteln verſah, weit über
ſiebenzig geweſen. Gelehrte und erfahrne Männer, die ſein Werk
in gemeinſamer Thätigkeit förderten, beſoldete er reichlih. Seinen
Schülern zab er zum Beweiſe ſeiner Liebe, wenn ſie nach beendig:-
tem Kurſus ſich verabſchiedeten , einige ſeiner werthvollſten Bücher,
Jeder fand bei ihm Beiſtand und Hülfe, der ſich an ihn wendete,
Das Elend zu mildern, Thränen der Unglücklichen zu trocknen, dem
hartgedrückten Familienvater beizuſpringen, war ſeine Sorge und
ſein Ruhm, So fromm und wohlthätig V. war, ſo beſcheiden und

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