Vielwiſſerei. 265
ſchiedenartigen Stoffes, welche während der ſechs bis acht Jahre des
Schulbeſuchs gelehrt und geübt wird, und dann die eigentliche Aus
beute, welche die Kinder in's Leben mitnehmen, damit vergleicht,
der wird ſich ohne Zweifel mit unſerer Anſicht leicht verſtändigen
können; daß nämlich in unſern Schulen nicht zuviel und Vielet-
lei, ſondern nur das Weſentliche aus dem Gebiete des noth-
wendigen und gemeinnüklichen Wiſſens behandelt und oftmals wies-
derholt werden muß, damit es feſtes, ſicheres und unverlierbares
Eigenthum der Kinder werden möge, (S, auch Art. Einerlei
und Vielerlei,) . .
Vielwiſſerei. Nach dem ſo eben Geſagten iſt beim jugend-
ſichen Unterrichte beſonders darauf Rückſicht zu nehmen, daß dabei
alle Ueberhäufung vermieden werde, indem es ſonſt nur zu leicht
geſchehen könnte, daß ein Begriff den andern verdrängen, ein Ein-
druck den andern ausldſchen , oder docl) nur ein ſchwacher Anſtrich),
ein leichter Anflug des Wiſſens zurück bleiben würde, was jedenfalls
nur eine oberflächliche und gehaltloje Vielwiſſerei erzeugen müßte,
wie ſolches die Erfahrung genüglich nachgewieſen hat, und es im-
mer no< nachweiſet. Gerade dieſer ſeichten , werthloſen Vielwiſſe-
vei ſoll in unſern Schulen kräſtig entgegengearbeitet, und daher auch
bei allem Lehren und Lernen ungleich mehr auf das Viel als auf
das Vielerlei gedrungen werden. Denn nicht von der Menge
und Verſchiedenheit der Speiſen gedeiht die Geſundheit, wächst und
erſtarkt der Körper und die Kraft des Kindes, ſondern nur mäßige
und einfache Nahrung erhält geſund, macht blühend und ſtark. Auch
würde es gewiß hd<<ſt unklug ſeyn, den Gedreideſamen auf dem
Acerfelde ausſchütten zu wollen, in der Abſicht , eine deſto reichli-
thum der Ausſaat gehindert, und die beabſichtigte Aernte völlig ver-
eitelt werden; ſondern das Ausſäen einer mäßigen Quantität geſun-
der und kraftvoller Körner in wohlbereitetem Boden hat liebliches
Gedeihen zur Folge, und läßt eine erfreuliche Aernte hoffen. Eben
ſo verhält es ſich mit der Verſtandescultur ; = nicht dur -Verviel-
fältigung der Unterrichtszweige und nicht durch Förderung frühzeiti-
gen Viel - und Allerleiwiſſens kann ſie gedeihen, ſondern nur da-
durch , daß das Einfache, dem Alter und der Fähigkeit der Kinder
Angemeſſene, und verhältnißmäßig nicht zu Viele richtig aufgefaßt
und wohl verarbeitet, gleichtam geiſtig verdauet werde. Deßhalb
iſt auch der, welcher Viel und Allerlei weiß , bei weitem no< kein
einſichtsvoller und verſtändiger Mann, weil er Viel und Vielerlei
weiß; denn einem ſolchen fehlt nur zu oft geſunder Sinn und rid-
tiges Urtheil, Eben ſo wenig iſt die Gabe des Leicht - und Vielre-
dens ein ſicheres Zeichen von Einſicht und Weigshtitz; denn je breiter
und geränſchvoller der Wortſtrom bei Vielſprechern fließt, deſto ſeich-
ter und gehaltloſer iſt er größtentheils. Von ſol man gewöhnlich: „ſie reden viel und ſagen wenig.“ Das
Schlimmſte aber iſt hiebei, daß, wie wir früher bemerkt haben, ein
ſolches hohles und oberflächliches Wiſſen aufbläht, und wenn es ſich

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