Theater, 29
anſtalt betrachtet, Wir wollen dieſes Lelztere keineswegs in Abrede
ſtellen 3 allein ſoviel wird man uns zugeben müſſen, daß das Schau-
ſpiel nur dann einen bildenden Cinfluß habe, wenn es rechter
Art iſt, Die Welt im Kleinen, das Menſchenleben in ſeiner Hoh-
heit und Erniedrigung, in ſeinen Tugenden und Verirrungen, im
Kampf und Sieg, oder in der Niederlage, anſchaulich und ſinnig
darſtellend , könnte das Theater allerdings die Entwickelung edler
Sitte und des Schönheitsſiuns befördern ; abet es iſt doch immer
eine entbehrliche, und nur unter gemeſſenen Bedingungen eine günsz
ſtige Bildungsanſtalt, Wenn weder in der Auswahl der Stücke,
noc<4 in der Darſtellung ſelbſt, gezietmmende Rückſicht auf Wohlanſtän-
digkeit und Sittlichkeit genommen wird; wenn, wie es bei den
wandernden Schauſpielergeſellſichaften in kleinen Städten der Fall iſt,
auf nichts als auf Anziehung der Menge geachtet und die Kunſt
ſelbſt zur Taſchenſpielerei und Gaukelei herabgewürdiget wird, ſo
wird gewiß jeder nüchtern und beſonnen Urtheilende ſich dahin aus-
ſprechen, daß einem ſolchen Unfuge möglichſt geſteuert werde, weil
er nicht bloß den Geſchmack, ſondern auch das ſittliche Gefühl in
hohem Grade verderbt. Allein ſelbſt die äc doch die leßte unter allen Künſten und zugleich die verfänglichſte und
verfähreriſche- Immer iſt ſie gefährlich für den, dem ſie zum
Bedürfniß geworden, und kein Bedürfniß für den iſt, der höhere
und beſſere Freuden kennen gelernt hat. Man geht, ſagt man häufig,
zu weit, wenn man vom Theater gar keinen wohlthätigen Einfluß
auf die Bildung des Volks erwartet, und es daher ſchlechthin ver-
dammt, -- Sucht man im Theater auch nur Erholung , ſo mag dieſe
allerdings geiſtigerer Natur ſeyn , als viele andere geſellige Freuden,
jedoch wird man auch gerecht und billig ſeyn, nicht verlangen zu
wollen, daß auch die Jugend daſſelbe bejuchen ſoll, Wir führen
hier nur die Stimme eines der kompetenſten Richter in dieſer Sache
an, Sailer ſagt nämlich (S. 238 und 239): „Das Theater,
(wenn nicht gewählte Kinderſpiele aufgeführt werden, und vielleicht
auch alsdenn nod)), iſt für die zarten Nerven der Unmündigen ein
verbotener Artikel, Auch alsdenn noch; denn das Parteree ver-
dirbr gewiß mehr , als das beſte Theater nicht gut machen kann.
Wenn auc< die Gebärde der Schauſpielerinnen für das junge Herz
unanſtdſſig ſeyn könnte; wenn auch die Tanzfäße , die ſich nac
dem Schauſpiele bewegen, nicht alle Eindrücke des Guten, die etwa
der Geiſt des Dichters gemacht hätte, wieder aus dem zarten Her?
zen hinaustreten? wie kann ein junges Gemüth das Schauſpiel
im Schauſpiel, ich meine jenes, das die Zuſchauer ſelber einan-
der geben, mitanſehen, ohne von den ſchmußigen Sitten des
niedern Pöbels, oder der dummen Galanterie des Hdöce
hern verderbt zu werden ? =- Eben ſo wenig laſſen ſich Schauſpiele,
welche Kinder, beſonders die Mädchen untereinander aufführen, als
Regel empfehlen. Milde wünſcht mit Recht, daß ſo was nicht
geſchehen möchte z denn ſollten auch die gewählten Stücke ganz un-
ſchädlich ſeyn , ſo werden doch die jungen Spieler und Spielerinnen

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