30 Theilnahme.
durc) den öffentlichen Beifall eitel und ſelbſtgefälligz es wird in
ihnen nur zu leicht der Grund zur Leſe- und Theaterſucht gelegt,
und ſchon dieſes iſt bedenklich , daß ſie Geſinnungen äußern , und
zwar bis zur Täuſchung äußern ſollen, die ihrem Herzen fremde ſind.
(B. 2. OÖ. 95.) Wer ſollte dieſe Anſichten der angeführten wohl-
meinenden und erfahrnen Pädagogen nicht von ganzer Seele thei-
len, wenn ihm anders die jugendliche Unſchuld heilig iſt ? =
Theilnahme. (Mitempfindung des Glücks oder Unglücks
Apderer.) Sie iſt das Gefühl, daß wir eines Geſchlechts d. i.
Menſchen ſind , und daß uns alles Menſchliche angeht. Sie iſt je-
dem Menſchen natürlich und zeigt ſich in eben dem Grade wirkſam
und thätig , als der Menſch ſich von dem Stande der Rohheit ent-
fernt und menſchlicher durch die Liebe wird. Es kann alſo die
Theilnahme nur von der Liebe, und zwar von der Liebe ausgehen,
wie ſie das Chriſtenthum verlangt, Sie offenbart ſich ſc und zwar Anfangs als Mitfreude , indem das Leben in der erſteu
Kindheit als ein liebliches Morgenroth oder als ein wonnereicher
Frühling erſcheint, und erſt ſpäter als Mitleid , wo Stürme und
Ungewitter , Leiden und Trübſale mancher Art daherkommen, und
dem bangen Herzen Seufzer entlo>en. Die Theiln“hme , dieſes
fromme Gefühl der Kinder des Lichtes, iſt wohl eines der ſtärkſten
und wohlthätigſten Bande des menſchlichen Vereins, Sie erhöht
jeglichen Freudengenuß und mildert jede Sorgenlaſt und Lebensmühe,
Wie traurig wäre das Loos des Menſchen, wenn er unter ſeines
Gleichen keine theilnehmenden und mitfühlenden Herzen in den
Stunden ſeines Kummers und ſeiner Thränen fände? == Man bringe
alſo die Kinder, wo möglich, in alle Lagen des gewöhnlichen Lebens,
damit ſie aus Erfahrung lernen, wie es den Menſc Muthe iſt, Die Armen bedürfen deſſen nicht ; denn was hier ge-
meint iſt, kommt ihnen wohl von ſelbſt. Aber die Andern, denen
an den Bedürfniſſen des Lebens nichts abgeht, ſollen ihre Kinder
manchmal hungern, dürſten , frieren, ſchwißen, in Verlegenheiten
huülflos bleiben laſſen, damit ſie erfahren, wie dieß Alles den Armen
thut, und dadurch Mitgefühl und Theilnahme lernen. Man laſſe
den Knaben daran denken, wie leicht er ſelbſt einmal in dieſe Lage
kommen kann, und wie es dann ſeinem Herzen thun wird, gefällige
und hülfreiche Menſchen zu finden. Man halte überhaupt die Kin?
der dazu an, ſich in die Stelle Anderer zu verſeßen, und darnad)
ihr Verhalten gegen ſie zu beurtheilen. =- Man entferne alſo nur
den Anblic>k des menſchlichen Elendes nicht gefliſſentlich von einem
Kinde; man wehre ihm nur nicht, daß es ſein Stücklein Brod mit
einem Hungrigen theile, oder für ihn ſeine Sparbüchſe dffne. Man
geſtatte ihm ſich in den Kreis fröhlicher Geſpielen zu miſchen , ih-
nen Freude zu machen und des Wohlthuns Seligkeit zu koſten, und
gewiß wird es theilnehmend werden , und ſeine Theilnahme öfters
auf eine erfinderiſche und überraſchende Weiſe kundgeben, Wo aber
dieß nicht iſt, da unterſtüße man nur ſein Nachdenken, wie es hel-
fen, dienen, Kummer lindern, Thränen tro>nen und Andern Freude

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