Volksunterricht = Vollendung des Menſchen. 291
Kinder, als er an ihrem Verſtand gut macht. Sein Höchſtes iſt,
daß er vielwiſſende „und wiſſensſtolze Kinder erzieht, aus
denen altkluge und nichFswerthe Lente werden. Daher dürfte uns
ein unwiſſender Lehrer, dem das Heil ſeiner Kinder wirklich am
Herzen liegt, und der einen frommen lieber ſeyn, als ein vielwiſſender und verſtändiger eitler Schullehrer,
der Alles hat, -- nur die Liebe nicht, der nach dem Ausſpruche des
Apoſtels ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle iſt. (1, Cor.
13, 1,) Heut zu Tage werden keine andern Jünglinge mehr in
den Volksſchullehrerſtand aufgenommen, als ſolche, welche zu der
freudigen Hoffnung berechtigen, daß ſie die Pflichten ihres wichtigen
Berufes zur Verherrlichung Gottes, zur Freude der Eltern und zum
Heile der ihnen dereinſt anvertrauten Kinder erfüllen werden. Vor
allem ſollen ſie von Gott dazu berufen ſeyn, was bei einem Mieth-
linge nicht der Fall iſt; mit dem Lehrer muß Gott ſeyn, mit dem
Miethlinge iſt er nicht. Mit Gott und ſeiner Gnade vermag der
Lehrer Alles, ohne ihn aber vermag er nichts. Ein Jeder, der ſich
dem Scchulfache widmen will, muß mit allen jenen Gaben und Ei-
genſchaften ausgerüſtet ſeyn, welche wir im Art. Eigenſchaften
des Schullehrers namhaft gemacht haben. Diejenigen ſind mit
vieler Behutſamkeit zum Volksſchulweſen zuzulaſſen, die aus unſern
dermaligen Gymnaſial: Claſſen als Schüler kommen ; denn ſie müſſen
vieles anziehen, was ihnen mangelt, und vieles ausziehen, was ſie
haben, und weil das keine Kleider, ſondern geiſtige Glieder ſind,
ſo iſt das immer eine ſehr bedenkliche Sache. Gelingt übrigens das
An - und Ausziehen, ſo hat der Volkszuſtand an derlei jungen Leu-
ten keine ſchlechte Eroberung gemacht *). Faſt dieſelbe Behutſam-
keit iſt ndthig bezüglich auf diejenigen, welche den Schulſtand bloß
aus Noth oder Arbeitsſcheu ergreifen, denn gewöhnlich hat man an
ihnen nichts als Lohndiener zu erwarten. Wer keinen innern Beruſ
zum Lehramte hat, thut beſſer, wenn er ſich auf ein anderes Ge-
werbe verlegt. Nie darf hier der Ausſpruch des Herrn aus dem
Auge gelaſſen werden? „Viele ſind berufen, aber Wenige
auserwählt.“ (Matth. 20, 16, 1. Cor. 7, 17. Röm, 8, 30.)
S. auch Art, Lehrſtand,
Volksunterricht, (S. Art. Unterricht.)
Vollendung des Menſ<&en. Der Menſc< iſt hienieden
als vollendet zu betrachten, wenn ſeine Kräfte der ſinnlichen Sphäre

8) In Beziehung auf die Gymnaſialſ<üler, welche zur Volksſchule über:
gehen, ſind breierlef Arten wohl zu unterſcheiden : 1) SolHe, die das
Gymnaſium aus Urkunde als eine Vorbereitungsanſtalt für das Lehramt
an einer Volksſchule betra wegen Dürftigkeit nicht können, und endlich 3) ſol Schwachheit oder aus Trägheit auf der Gymnaſialbahn nicht weiter
voranſchreiten können. Die beiden erſtern dürfen freudig aufgenommen,
die lektern aber beſeitiget werden,
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