Vollkommenheit, =- Vollſtändigkeit. 293
den Weg in ſeine Heimath, =- in das Land des Lichtes und
der ſeligen Vollendung bahnt. (S, Art» Beſtimmung des
Menſc< Vollkommenheit; die der Lehrer zu erſtreben hat.
Nie iſt der Lehrer ſo vollkommen , daß er nicht noc vollkommener,
nie ſo weiſe, daß er nicht noch weiſer, und nie ſo tüchtig , daß er
nicht noch tüchtiger werden könnte, Es muß alſo ſein unabläßiges
Streben ſeyn, immer noc< vollkommener, weiſer und tüchtiger zu
werden. Nie darf er in dieſer Beziehnng vergeſſen, was der Apo-
ſtel ſagt: Nicht als hätte ich's ſchon ergriffen, oder wäre ich ſchon
am Ziele; aber ich ſtrebe darnach, ob ich's auc) ergreife. J<< bilde
mir ſelbſt nicht ein, es ergriſfen zu haben, aber Eines thue ich:
ich vergeſſe, was hinter mir liegt, und ſtrecke mich nac) dem, was
vor mir liegt.“ (Phil. 3, 12. 15.) Wer nicht vorwärts geht, der
geht zurück. Daher ſoll ein Lehrer nicht zurück, wohl aber immer
vorwärts gehen. Wo es ihm noch am meiſten fehlt, darauf verwende
er auch die meiſte Mühe, Er ſuche auf dem Gebiete einheimiſch
zu werden, das ihm noch unbekannt und fremde iſt. Dieß muß er
ohnehin in Allem ſeyn, was zu ſeinem Berufe gehdrt. Der Aus-
ſpruch des Fauſt. Andrel. ſoll auch ſein Wahlſpruch ſeyn: Nulla
dies abeat, quin linea ducta Subersit» (== Kein Tag ſoll nie mir
vergehen, ohne daß ich etwas weiter vorangeſchritten bin.) Was der
Lehrer für ſeinen Beruf ſeyn ſoll, das haben wir am einſchlägigen
Orte nachgewieſen, und wie er es werden kann, das lehren ihn
neben andern Dinter's Schulconferenzen.
Vollſtändigkeit. Vollſtändig nennen wir das, was un-
mangelhaft iſt, ſomit alles hat, was ihm weſentlich angehdrt. So
iſt auch der Unterricht vollſtändig, wenn kein integrirender Theil
dabei vermißt wird. =- Ob nun gleichwohl jeder Unterricht gründ-
lich ſeyn muß, ſo giebt es doch für die Volksſchule, und namentlid)
für Anfänger eine höchſtunzweckmäßige Gründlichkeit , die man ge-
wöhnlich in einer gewiſſen ſyſtematiſchen Vollſtändigkeit, in einem
tiefen Eindringen in die erſten Grundbegriffe, in einem wiſſenſchaft:
lichen Ueberblicke deſſen ſuchet, was gelehrt oder behandelt wird.
In dieſen Fehler verfallen leicht junge Lehrer, denen es übrigens
nicht an Geſchicklichkeit fehlt. Sie kramen alles aus, was ſie wiſ-
ſenz die Kinder ſollen es inne werden, was für einen gelehrten
Mann ſie vor ſich haben. Wohl mögen ſie des Lehrers Gelehrt-
heit und Geſchiklichkeit anſtaunen , aber im Grunde wenig oder
nichts lernen; ſie wiſſen auch meiſtens von dem, was ſie lernen,
keinen Gebrauch zu machen, und eine ſolche Ueberladung mit Kennt-
niſſen iſt das ſicherſte Mittel, das Brauchbare über dem Unbrauch-
baren vergeſſen oder untergehen zu laſſen. Die Vollſtändigkeit des
Unterrichts kann alſo nach dem Begriffe nicht ſo ſtreng genommen
und verwirklichet werden, ſondern der Lehrer muß dabei immer
ſeine Kinder im Auge haben, und ihnen niht mehr geben wollen
als ſie anzunehmen im Stande ſind.

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