4 Tabellariſche Lehrwelſe.
Lehrer für ſich ſelber hält, von Zeit zu Zeit aufgehoben und im
Schulkaſten ſorgſam aufbewahrt werden. (S. Art, Schulpro-
tofoll 2.)
Tabellariſche Lehrweiſe. (Literalmethode.) Dieſe Lehrart
beſteht darin, daß man bloß mit den Anfangsbuchſtaben der Worte
die Hauptgegenſtände des Unterrichts an die Tafel ſchreibt, und ins-
beſondere die Folge der Hauptideen in den Lehrgegenſtänden auf dieſe
Weiſe tabellariſch vorſtellt. (S, Art, Felbiger.) Man ſucht alſo
nach dieſer Lehrart den Kindern die Elementarkenntniſſe tabellariſch
geordnet darzuſtellen, und ſie ihnen zuſammenhängend durch Anſchau-
ung beizubringen. Dieſe Unterrichtsweiſe hat ſich in Deutſchland
großes Anſehen erworben, indem man ſich der Auſicht hingab, als
jey in ihr die Fundgrube alles Wiſſens enthalten. In den Dorf-
ſchulen waren derlei Tabellen mit den darauf verzeichneten einzelnen
Anfangsbuchſtaben durch längere Zeit in Uebung, und ſelbſt das Le-
jen wurde mittelſt derſelben gelehrt. Und weil dieſe Verfahrungs-
art ſowohl dem Lehrer als den Kindern das Geſchäft erleichterte, ſo
konnte es ihr nicht wohl am allgemeinen Beifalle fehlen, Der Lehrer
konnte nämlich an der Hand dieſer Tabellen ſeine Aufgabe leicht über-
ſehen und verfolgen, und die Kinder wurden hiedur< in den Stand
geſest, ihre Penſen in kurzer Zeit gut einzulernen. Dieſe ſchein-
baren Fortſchritte, welche die Kinder unter dieſer tabellariſchen An-
weijung machten, waren von der Art, .daß ſie mit ihrem Wiſſen
prangten , und die Augen Vieler blendeten. Wie man aber anfing
über den Gang der Entwickelung jugendlicher Kräfte mehr nachzu-
denken , gelangte man bald“ zu dem Ergebniß , daß'ein ſolches Lehr-
verfahren nicht der ganz richtige Weg ſey, der zum vorgeſtekten
Ziele wahrer Bildung führe, Denn dasſelbe gieng vom Allgemeinen
aus und jchritt zum Eizelnen fort, das gerade umgekehrt hätte ge-
ſ mit feeren Worten abgeſpeiſet wurden, und nicht zur Erkenatniß
der Sache gelangten. Man ſah ein, daß ein ſolches Lehrverfahren
einem leichten Morgennebel gleiche, der beim Aufgange der Sonne
jc begründet wurde, ſo gab dieß auch Veranlaſſung , dieſe Lehrweiſe
wieder aufzugeben. Dieß iſt um ſo einleuchtender, wenn man er-
wägt , daß die Tabellen die Sachkenntniß , die man tabellariſch ge-
ordnet wiſſen will, ſchon vorausſeken; daß ſie das Gedankenbild der
Sache, die gelernt werden ſoll, nicht ſelber darſtellen , und keine
Anleitung darüber nachzudenken geben, ſomit das Denkvermögen
nicht in Anſpruch nehmen, und zu keiner richtigen Kenntniß der
Sache führen. Der größte Vortheil der Tabellen beſteht darin,
daß ſie dem Gedächtniſſe wohlthätig zu Hülfe kommen , das Erlernte
in einem kurzen Inbegriff durc Zeichen und Formen zuſammenfaſſen,
und jonac< einen allgemeinen Ueberblick gewähren, Die Erfährung
hat es nachgewieſen, daß die meiſten Kinder , die auf ſolche Weiſe
unterrichtet worden ſind, wohl die Wort - und Buchſtabenreihe , un-
ter welchen ihnen die Kenntniß der Sache vorgeſtellt wurde, ſich

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