Wahrheitsgefühl. 327
ſpringt, und öfters eine Wirkung der Schwabßhaftigkeit, der
Furc Gitelkeit, oder des Geizes, der Habſucht und des Eigen-
nubes iſt, ſo muß hierauf immerhin der nöthige Bedacht genom?
men werden. Iſt ſie Wirkung der Schwatthaftigkeit, ſo müſſen
Kinder zum Schweigen angehalten werden. Iſt ſie aber Wirkung
der Furchtſamkeit und Schüchternheit, als Folge einer harten und
deſpotiſchen Behandlung, ſo muß einem ſolc) Liebe
wieder Muth eingeflößt werden. Jſt die Lägenhaftigkeit eine Wir-
kung der Prahlerei und Eitelkeit, die gerne groß thut, und, um
dieß zu können, lügt, ſo muß ein ſolcher Prahlgeiſt gedemüthiget
werdeny. Lügt und betrügt aber ein Kind aus Geiz, Habſucht und
Eigennuß, um dadurch zu gewinnen, ſo muß es den Gewinn ſeiner
Luge zurückgeben, Schadenerſaß leiſien oder ſonſt eine Strafe leiden,
die ſeiner Habſucht am meiſten wehe thut. Iſt jedoch) die Quelle
der Lägenhaftigkeit Haß, Neid und BoßSheit, die da lügt, um
zu verkleinern, zu verldumden, zu läſtern und einem Andern wehe
zu thun, oder ihn in Schande , Schaden, Spott und Verachtunz
zu bringen , ſo iſt dieß die verabſcheuungswürdigſte Lugenhaftigkeit,
und ein ſolcher Lügner muß mit der größten Strenge gezüchtiget
werden, er muß noch nebenbei das Geſtändniß ablegen, daß er ge
logen habe, und ſeine Verläumdung widerrufen. Vornehmlich aber
ſoll der Lehrer für die Kinder bitten um den Geiſt der Wahtheit,
damit er ihre Herzen zur Wahrheit neigen und ſie in volle Wahr-
heit leiten möge, Auf ſolc Stand geſeßt ſchen, die unwahren Kinder dahin zu bringen, daß
ſie ſich in allen Dingen der Wahrhaftigkeit befleißen und nie die
Unſchuld ihres Herzens dur< irgend eine Lüge ſc<änden. (S- au)
Art. Aufrichtigkeit 1.) Spr, 12, 17. 19. 20, 98. Sir, 36, 138.
Hebr. 10, 22. ?6+
Wahrheit. (S. Art, intellektuelles Gefühl.)
Wahrheitsgefühl. In Beziehung auf das, was wir über
dieſen Artikel ſchon früher (Art. Lüge) geſagt haben, tragen wir
bezüglich auf die Bildung dieſes Gefühls noch Folgendes nach: Die
Bildung dieſes Gefühls wird großentheils dadurch bezwet, daß der
erziehende Lehrer den Kindern frühe ſchon die Erkenntniß des Wah-
ren wichtig macht, ihnen den Reichthum heilſamer Kenntniſſe als
etwas Beſſeres, als Reichthum an irdiſchen Gütern lebhaft ver“
gegenwärtiget und ſie ſelbſt auf dem Wege des Unterrichtes wahr-
nehmen laſſe, daß die Schäße der Erkenntniſſe, wenn ſie beſonders
mit der Anwendung auf das Leben verknüpft werden, die Übrigen
todten Schäße an Gold und Silber weit Übertreffen. Was aber
ſich hier bei Kindern am wirkſamſten zeigt, iſt der Umſtand, daß
ſie es ſelbſt einſehen lernen, wie es in ihrer Seele immer mehr
zu tagen anfängt , wie ſie weiter auf der Bahn des Wiſſens voran-
ſchreiten , die Hinderniſſe auf derſelben bewältigen , und mit der Be-
ſiegung eines jeden an Leichtigkeit und Kraft gewinnen. Der Lehrer
erleichtert den Kindern dieſes Wahrnehmen der erworbenen Kennt-

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