428 Wahrſagen, =“ Wahrſagerei.
niſſe 2€. dadurch, wenn er ihre Aufmerkſamkeit darauf hinlenkt und
ihre Wißbegierde ſpornt, oder wenn er ſie in Situationen verſeßt,
in welchen ſie den Abſtand von ihren frühern und jeßigen Verhält:
niſſen zu würdigen vermögen. Auſſerden! iſt hiebei aber auch der
ganze Gang der intellektuellen Bildung von großer Wichtigkeit.
Nur hüte ſich der Lehrer, daß ev dieſelbe nicht erſchwere und die
Luſt zu lernen nicht in Unluſt verwandle, wie dieß ſchon häufig
durch eine fehlerhaſte Lehrweiſe geſchehen iſt, und hin und wieder
noch geſchieht. Wenigſtens muß hier dafür geſorgt werden, daß die
Kinder immer mehr in das Intereſſe des Unterrichts ſowohl in ma-
terieller als formeller Hinſicht hineingezogen werden. Aus gutem
Grunde ſagte daher ſchon Quindtilian: „Sorge dafür , daß der
Knabe die Studien, die er noch nicht lieben kann, nicht haſſe.
Der Sinn für das Wahre wird aber auch dadurch abgeſtumpft,
wenn ſich der Lehrer damit begnügt, daß die Kinder nur oberfläch-
lich die ihnen vorgelegten Fragen beantworten. Dadurch werden ſie
nach und nach gegen alles tiefere und gründliche Eingehen in die
Sache gleichgültig gemacht. Derſelbe Fall tritt durch Ueberfüllung
des Lehrſtoffes ein, wo nämlich die Kinder nicht Zeit genug haben,
jich ihrer erworbenen Kenntniſſe zu freuen, und durch das zu Vieler-
lei in ihrer Thätigkeit bald dahin, bald dorthin gezogen werden,
ſomit nie recht zu ſich ſelber kommen können, Alle dieſe nur kurz
bemerkten Gegenſtände thun der Bildung des Wahrheitsgefühls und
dem Erwerb von heilſamen Kenntniſſen bedeutenden Abtrag. Der
Lehrer hat ſich daher wohl in Acht zu nehmen, daß er ſich bei ſei-
nem Unterrichte weder des einen no des andern Fehlers ſchuldig
mache.
Wahrnehmung, innere. Bildung derſelben. (S. Art,
Innerer Sinn,)
Wahrundoffengegen Kinder ſeyn. (S. Att, Offen-
heit des Lehrvers,)
Wahrſagen, Wahrſagerei, (Geheimes entdecken för
Gegenwart und Zukunft.) Auch vor dieſen und ähnlichen Auswüch-
ſen der Vernunft müſſen unſere bewahrt und vor Täuſchungen der Art von Seiten Anderer ſicher
geſtellt werden, Vielfältig hat der Unglückliche einen natürlichen
Aberglauben. Weil er keine Mittel und Auswege mehr kennt,
möchte er das Verborgene durch Wunder entſchleiern, und der ver-
ſchwiegenen Zukunft ihr Geheimniß entreiſſen. Er ſchämt ſich nicht
der thörichtſten Verſuche, die ſeine eigene Vernunft, wenn ſie anders
nüchtern iſt, jedesmal ſelbſt mißbilligen muß. Er macht ſich mit
Wahrſagern oder Wahrſagerinnen vertraut. Er achtet auf allerlei
Zeichen, und ſchließt daraus auf die Erfüllung und Nichterföällung
ſeiner Wünſche. Er täuſcht ſich ſelbſt und befle>t mit dieſem thdö-
richten Benehmen ſein Herz und ſeinen Verſtand. -- In dieſer
Beziehung begegne der Lehret ſeinen Kindern ſo, daß ſie ſich nie
zu dem Glauben an Wahrſagerei und Zeichendeutung herabwürdigen,
noc< ſol

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.