34 Thränen -- Tillich.
ſie das Leben in der Welt bedroht, entgehen, denen der Thor ent-
gegenrennt und Noth und Kummer för ſein beſſeres Leben findet.
Feſt umklammernd die Säule dieſer Weisheit, werden ſie aun dem
hangen, was ewig wahr, ewig gut und ewig beſcligend iſt. -- Ja,
unſere Kinder werden, ſind ſie nur im Beſikße dieſer Weisheit, aud)
nur an Gott und der erhabenen Beſtimmung ihrer Seele hangen ;
ſie werden dadur< ein heiliges und göttliches Leben durch Gottes
Gnade erlangen. Und dieß iſt wohl die höchſte Aufgabe aller Er-
ziehung. Der Erzieher lehre alſo ſeine Zdglinge ſchon ſo frühe, wie
möglich, den Schein vom Weſen trenuenz er ſuche ihnen nur werth
und lieb zu machen , was, wenn es auch nicht ſchimmert, zur Be-
gründung ihres wahren Glückes beiträgt, ihr Herz mit einer Zufrie-
denheit erfüllt, die ihnen ſpäter kein Sturm des Lebens rauben und
die mit der Jugendblüthe nicht vergehen kann. Er lehre ſie täglich
fliehen um dieſe Weisheit, damit ſie fern von Trug und Schein, den
Werth der Dinge kennen, und ihr Herz nur dem Göttlichen in hei-
liger Liebe weihen. Dann wird ihre Weisheit die Weisgheit dieſer
Welt dur< Gott zur Thorheit machen. (Spr. 19, 13, 22. 15.
Sir. 30, 11. Eccl, 2, 13, 1. Cor. 1, 20. 24. 14.)
'" Thränen. Was wir früher (Art, Beſtechung durch Thrä-
nen 2c.) in Beziehung auf das Verhalten des Lehrers gegen weich»
müöthige Kinder geſagt haben, das müſſen wir hier wiederholen,
und demſelben die Regel vorhalten : „Er achte die Thränen der
Kinder von leichtbeweglicher Naturart wenig und mit Ruhe.“ =-
Wenn ein ſolches Kind im elterlichen Hauſe dur< Weinen alles er-
langt, wenn da fein Unterſchied gemacht wird, ob ſeine Thränen
aus einem leichten körperlichen Schmerz, oder aus einem augen-
bliflichen Unbehagen, oder aus dem Wunſche irgend eine ſelbſiſüch-
tige Abſicht zu erreichen, oder aus Unwillen über eine nicht gewährte
Bitte, oder aus Betrübniß und Ungeduld, wenn ihm etwas zu lange
dauert, oder aber aus Sympathie mit fremdem Schmerz, oder aus
Rührung bei einer ihm erzählten That edler Menſchenliebe und großs-
müthiger Aufopferung, oder aus Reugefäühl über ein ihm vorgehal-
tenes Vergehen hervorgehen; ſo muß der Lehrer dieſe verſchiedenen
Thränenquellen ſorgfältig unterſcheiden , überall, wo auf irgend eine
Weiſe der Egoismus in ſeinen mannigfaltigen Schattirungen durch=
leuchtet, bald wenig, bald gar nicht darauf achten, und nur da, wo
ſie als Ergüſſe ſanfter Rührung, cdler Gefühle und Liebe oder Theil-
nahme erſcheinen, ſie, mit ſtiller Billigung und liebend anerkennen,
Durch die erſtern aber muß das Kind gegen den Lehrer nie etwas
durchſeßen, nicht einmal ein ſehr merkliches Bedauern oder eine ſicht-
hare Theilnahme erwecken, ja in manchen Fällen wohl Verweis und
Tadel ſich zuziehen, beſonders wenn es henc thränen ſind, Nur auf ſolche Weiſe können egoiſtiſch 3 weinerliche
Kinder geheilt werden. (Jer, 51, 16, 41, 6- Röm, 12, 15. PY,
118, 139. Apgſ<. 20, 31.) .
Tillich. (Ernſt) Von dieſem Pädagogen wiſſen wir Folgendes
anzugeben : Er war geboren 1777 und geſtorben den 30, Okt, 1807,

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