362 Wetteifer.
Bisthum in Folge des Concordats mit dem römiſchen Stuhle auf-
geldst, und nach Freiburg verlegt wurde, ſo wurde daſelbſt ein eige:
ner Erzbiſchof aufgeſtellt. Seit dieſer Zeit lebt nun v. W. ſtille
in Konſtanz und benußt ſeine Ruhezeit zu literariſchen Arbeiten,
Wir beſißen von ihm eine treffliche Geſchichte des Volksſchulweſens
in Deutſchland, (die Elementarbildung des Volkes 1c. Konſtanz 1835).
Ferner verdanken wir ihm in pädagogiſcher Beziehung: Jeſus, der
göttliche Kinderfreund“' (1820); die Bergpredigt unſers Herrn und
Erlöſers. (3. Aufl. 1820.); Johannes der Vorläufer unſers Herrn
(1821); Die Auferſtehung unſers Herrn (1821); das heil. Abend-
mahl (1822); Magdalena (1824) und die Parabeln und Gleichniſſe
des Herrn vom Reiche Gottes (1839), Auſſerdem hat v. W, noch
eine Menge anderer Schriften herausgegeben , die wir hier, da ſie
nicht in den päd. Bereich einſchlagen, übergehen. Es wäre zu wün-
ſchen, daß die genannten im Feneloniſchen Geiſte abgefaßten Schrif-
ten in einer jeden Schulbibliotheke ſich befänden , damit dadurch der
davon bei ſeinem Unterrichte zu machen,
Wetteifer (Anregung desſelben,) in Anreguitg des Wett-
eifers bei Kindern iſt dem Lehrer beſonders große Vorſicht nöthig.
Der Wetteifer, wenn er edler und rechter Art iſt, kann große Dinge
thun, dagegen ein entgegengeſekßter viel Unheil ſtiften, und das Herz
der Kinder verderben. Ohne alle Anregung darf jedoM? der Wett-
eifer nicht bleiben, bei den Kindern ſo wenig, als bei den Erwach-
ſenen. Sofern man unter Wetteifer den mächtigen Einfluß des
Beiſpiels oder jene Ueberzeugung von der Macht des Willens , die
durch den Anblick deſſen, was ein anderer vermag, pldklich hervor-
gebracht wird, oder jenen gleichſam anſteckenden Eifer, von dem die-
jenigen natürlich ergriffen werden, die mit Andern die gleiche Bahn
durchlaufen, ſo ſpricht man von einem eben ſo unſchuldigen als nük-
lichen Reſultate der Gemeinſchaftlichkeit der Arbeiten. Man darf
den Wunſch, ſich bemerkbar zu machen und ein beſonderes Gefühl
des Beifalls oder der Achtung in Andern zu erregen , nicht tadeln
und noch weniger zu erſticken ſuchen: denn dieſes Streben iſt nicht
zu vernichten und iſt zugleich eine reiche Quelle beharrlichen Fort«-
ſchreitens. (Necker de Sausszure, Vom, 2. p. 117.) Aud) dem
trägſten Kinde fehlt es nicht an aller Empfänglichkeit dafür, nur
iſt ihm ſchwerer beizukommen. Der Lehrer laſſe dasſelbe ſich nur
nicht mit ſolchen meſſen, die ihm zu weit überlegen ſind, weil es
ſich dann nur niedergeſchlagen fühlt; mit einem Kinde aber, das
mit ihm ſo ziemlich auf gleicher Stuffe ſteht, wird es den Wett
kampf leichter wagen. Jn der Schule, wo der Lehrer die Anwahl
unter ſo vielen Kindern hat, wird es ihm ein Leichtes ſeyn, das
rechte zu treffen. Sind die Kinder ſich auch an Temperament
gleich, fo werden ſie einander deſto leichter entzünden, ſobald er ſie
auf eine angemeſſene Weiſe zum Wettſtreite auffordert. z. B. Laßt
ſehen, welches von euch es am beſten machen = am ſchnellſten zu
Stande bringen wird = Du IJ. haſt es ziemlich gut gemacht; kannſt

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