566 Wiedererzählen,
nicht gereizt wird, Eltern, deren ganzes Leben ein fortgehender Wi-
derſpruch, eine Komddie iſt, und von Vorurtheilen und Thorheiten
aller Art geleitet wird, müſſen es ſich dann wohl gefallen laſſen , von
ihren verwahrlosten Kindern widerſprochen zu werden. Wenn die
Kinder Liebe und Zutrauen zu ihren Erziehern haben, ſo werden ſie
ihnen nicht leicht, wenigſtens nicht mit troßiger Rechthaberei, wider-
ſprechen, oder ſich doch bald in die Grenzen der Unterwürfigkeit zurück:
führen laſſen. Gut erzogene Kinder fallen nicht leicht in dieſen
Fehler , wenigſtens nicht als Mißbrauch ihrer Freiheit, ſondern nur
die lebhaftern, heftigern und verzärtelten, deren Widerſpruchs-
geiſt nicht genug Widerſtand fand. Hätte auch der Widerſpruch
Grund, ſo dürfte er doch nicht gegen die geſeßgebenden Perſonen,
mit Hike und Rohheit ausgeſprochen, geſtattet werden. Die Natur
(oder vielmehr Gott) will nicht, daß die Kinder die Nichter ihrer
Eltern ſeyn ſollen, und kein Staat in der Welt hat ihnen dieſes
Recht eingeräumt. Freilich nehmen ſie ſich ihren Widerſpruch nicht
übel, weil ihnen der Umgang mit den Eltern alltäglich geworden
iſt, und eine zu große Vertraulichkeit derſelben hiezu ein Recht zu
geben ſcheint, überhaupt aber der jugendliche Geiſt im Entgegen:
wirken ſich gefällt. Oft will daher das Kind beim Widerſpruch nur
ſeine Schlauheit und ſeinen Verſtand zeigen, und dieſe Art der
Widerrede ſollte man anch nicht hart zurückweiſen, ſondern ſie ſtill-
ſchweigend anhören, oder ſie mit Ernſt zu berichtigen ſuchen, indem
man ſie für das Kind zu einer Arbeit des Verſtandes macht, und
als eine Gelegenheit benußt, den Kopf des Kindes mehr zu recht
zu ſchieben. Oft iſt auch ſein Widerſprechen bloß eine böſe Gewohn:-
heit, die es gedanfenlos von ſeinen Umgebungen angenommen hat.
Aus einer ſolchen Gewohnheit wird aber in Folge wohl gar eine
Art Unterhaltung, durc welche Kinder intereſſiren wollen. -- Haftet
nur erſt das heilige Wort tief in den Herzen der Kinder, ſo wird
auch der Geiſt der Rechthaberei und des rohen Widerſpruchs in den
angewieſenen Schranken gehalten werden. Und dieſes heilige Wort
lantet alſo; „Ehre Vater und Mutter mit der That, mit
Worten und mit Geduld!“ -- Dieß Cine Wort wird ohne
Zweifel das beſte und ſicherſte Verwahrungsmittel gegen den unge-
bärdigen und troßigen Widerſpruchsgeiſt ſeyn. (S, auch Art. Ei-
genſinun, .
Wiederverzählen. Das mündliche Wieder » oder Nacher-
zählen einer vom Lehrer mitgetheilten Erzählung iſt- eine überaus
nüßliche Uebung, zu welcher Kinder mit allem Fleiße. angehalten
werden ſollten. Dasſelbe übt das Gedächtniß und die Einbildungs-
kraft, prägt nübliche und heilſame Lehren dem Gemüthe tiefer ein,
und übt den Verſtand. Zugleich bekommen die Kinder dadurch mehr
Fertigkeit, ſich auch über andere Gegenſtände deutlich und faßlich
auszudrüen. Nur laſſe der Lehrer die Geſchichte nicht den Worten,
ſondern ihrem Inhalte nach, und zwar von ſolchen Schülern wieder-
erzählen , von welchen er weiß, daß ſie es zu thun vermögen, und
daß ſie die Erzählung richtig aufgefaßt und im Gedächtniſſes behalten

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