Wiederholungsfragen, = Wille. 569
ſchaffen, ob und in wie weit die Kinder das bis dahin Gelernte
gefaßt und behalten haben. Bei dieſer Wiederholung ſchließt ſich
der Lehrer (Katechet) anfänglich an den Gedankengang, den er beim
Unterrichte befolgt hat. fragt jedo< geradezu nach den einzelnen
Begriffen und Gedanken. Der Zweck aller und jeder Wiederholung
iſt ſonach4 kein anderer, als das von den Kindern Erlernte wieder zu-
rücfzurufen und zum bleibenden Eigenthume derſelben zu machen.
Und eben deßhalb kann das zweckmäßige Wiederholen dem Lehrer
und Katecheten auch nicht erſt empfohlen werden. Heil dem, der
dieß nicht nur weißt, ſondern auch thut!
Wiederholungsfragen ſind entweder allgemeine , die ſich
auf einen völlig durchgeführten Abſchnitt beziehen, oder ſie ſind be:
ſtimmte, beſondere, deren ſich der Lehrer bedient, wenn er ſich nach
den einzeln behandelten Lehren und Wahrheiten erkundiget. Auch
dieſe Fragen müßen, wie es ſich wohl von ſelbſt verſteht, dem Zwecke
ſolcher Wiederholungen angemeſſen ſeyn. (S. hierüber Art. Fragen
und das Bilden derſelben.)
Wiederkehrenden, ſich beſſernden Kindern, iſt die
Aufnahme in die Schule nicht zu verſagen. Wenn der
Fehlende ſeine Fehler herzlich bereut und ſich beſſert, ſo findet er
Gnade und Vergebung bei Gott. So muß auch auf die erfolgte
Beſſerung eines Schülers völlige Vergebung folgen ; er muß wieder
gelten , was er vorher galt. Die ungern vermißte Gunſt des Leh-
vers wird der Schüler nicht ſo leicht wieder verſcherzen, und mehr
als die Strafe wird ihn die wieder erlangte Gunſt des Lehrers von
neuen Fehltritten und Vergehungen zurückhalten. Sieht der Schtü-
ler, daß ihm der Lehrer ſeine Gunſt nur darum entzogen habe,
weil er aufhörte , ſie zu verdienen, ſo wird er wohl auch alles an-
wenden, um ſie wieder zu verdienen. Sieht er aber, daß er die
verſcherzte Gunſt durchaus nicht wieder erlangen könne, ſo wird er
ſich auch keine Mähe geben, ſie wieder zu erwerben; es würde ihn
entweder völlig niederſchlagen oder ganz gleichgöltig machen, Alſo
jedenfalls iſt einem wiederkehrenden und ſich beſſernden Kinde die
Wiederaufnahme in die Schule nicht zu verſagen, vielmehr muß
demſelben die Thüre mit Freude eröffnet werden, Jſai, 64, 8. 13.
Oſe. 14, 3. 0.)
Wildling, Wildheit. (S. Art. Rohheit.)
Wille iſt überhaupt das Vermögen zu wollen, Begehrungs-
vermögen, dir Kraft das Gute zu wählen , zu lieben und zu thun.
Richtet ſich der Wille nach den Grundſäßen der Vernunft, oder
nach der Vorſtellung von Geſetzen, ſo wird er freier Wille; folgr
er aber bloß ſinnlichen , alſo vernunftloſen Beſtimmungsgründen , ſo
iſt er blinde, thieriſche Willkühr. Wenn der Erzieher jenen
in ſeinem Zöglinge zu wecken, zu beleben und zu kräftigen hat, ſo
wird er dieſe entiveder nie aufkommen laſſen, oder, wenn er dieſes
nicht zu hindern vermag, ſie überall niederhalten und unterdrücken
müßen. Der oft gehörte Gemeinſpruch: „Kinder haben keinen
Willen und dürfen keinen haben,“ darf nicht über das Alter des
Univerſ. Lexikon, Z3ter Band, 24

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.