Wille, Richtung desſelben, 371
Liebet den Herrn, euern Gott, hdret ſeine Stimme und hanget ihm
an. „„So iſt auch jedem Menſc und er allein entſcheidet in ſich und für ſich, welchem er dienen will,
ob dem Wahren oder Falſchen, dem Recht oder Unrecht. Seine
Wahl ſpricht die Beſchaffenheit ſeines Willens aus, und macht die-
ſen ſelbſt gut oder böſe. Aus ihm geht die ſittliche Zurechnungs-
fähigkeit des menſchlichen Thuns und Laſſens hervor , die das Kind
triſft, und es für ſeine Art oder Unart verantwortlich macht» Cs
verdient Lohn oder Strafe, die unvermeidlich dem Recht oder Un-
recht entſteigen, =- Nichts iſt im Gange der Gemüthsbildung wich-
tiger, als die dießfalls periodiſch eintretenden entſcheidenden Mo-
mente. Wie für Herkules am Scheidewege, ſo gibt es für jedes
Kind einen Augenblick, in welchem ſein Eigenſinn gebrochen werden
muß. Nur da, wo der Menſc< ſich ſeiner höhern Beſtimmung be-
wuſt iſt, wird er auch ſeine Wahl dem höchſten Willen, dem Wil-
len Gottes gemäß , und ſonach wahrhaft frei ſeyn. Dieſen Geſichts-
punkt hat das Chriſtenthum aufgeſchloſſen, Er iſt im Leben Jeſu
wunderſchön enthüllt, Seine Einführung in die Erziehung iſt der
größte Schritt, den die Menſchenbildung zu machen hat; und nur
dadurch kann ſie wahrhaft und ganz will, was Gott will, deſſen Wille wird und muß geſc ſagt mit andern Worten der heil. Anguſtinus: „Liebe nur Gott,
dann kannſt du thun, was du wiſlſt.““ Wo der Wille der Eltern
und der Erzieher mit dem heiligen Willen und Geſekße Gottes Eins
iſt, wo ſie darin athmen und leben, und den Willen der Kinder
vafür beſtimmen, da herrſcht die wohlthätige Einheit zwi-
ſchen Eltern und Kindern, zwiſchen Erziehern und Zöglingen, durch
welche der Gehorſam frei und die Hingebung ſelbſtſtändig wird.
Unter dem Segen dieſer , Einheit blüht die goldene Freiheit der Ju-
gend, es blüht das kindliche Glü>, und die Entfaltung in allem
Guten und Gerechten iſt geſichert, Wo ſich das Kind nicht fär das
Gute und Gerechte um der Gäte und Gerechtigkeit willen entſcheidet,
ſondern des verſprochenen Lohnes wegen; wo es Böſes und Unge-
rechtes nicht aus innerm Antriebe zum Guten, ſondern aus Furcht
vor angedrohter Strafe meidet, da iſt es ſchon irre geleitet und um
die Reinheit ſeines Willens gebracht, Das Soli deo gloria auf den
alten Silbermünzen ſollte der Wahlſpruch unſerer Jugend ſeyn; =
Gott allein die Ehre! Hierin waltet aber auch allein die wahre
Freiheit des Willens, und zwar des reinen Willens. =- Der un-
verdorbene Wille der Kinder iſt ohnehin lenkſam und bedarf keiner
andern Beſtimmung, als der der Liebe Gottes und ſeines heiligen
Geſeßes. Deßhalb ſagt auch Angelus Siſleſius gar ſchön:
„Kind, lebeſt du in Gott, und ſtirbſt dau deinem Willen ;
So iſt dir nichts ſo leicht, als ſein Gebot erfüllen.“ =-
(Sir. 18, 39. Matth, 6, 10, Pſ. 59, 9. Joh, 4, 14. 5, 30
Röm. 12, 2. Epheſ, 5, 17. 1, Joh, 2, 17.)
Wille, Richtung desſelben. Es geſchieht häufig. daß
auf die Richtung des Willens bei Kindern wenige Rückſicht genom-
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