Wik. 379
Wiſſenſchaft hat aber auch einen Geiſt, det voin Paragraphen, Zifs-
fern, Buchſtaben unabhängig , nichts will, als die eigene ruhige Au-
ſ Ganzen darſtellen und keine andere Gewalt kennt, als die wehrloſe
Kraft der Wahrheit. Soll die Lehre von der Erziehung als Wiſſen-
ſchaft behandelt werden, ſo muß ſie vorerſt das Urbild des Erziehers
in einem lichthellen Umriſſe aufſtellen, und hernad) angeben, wie
viel von dieſem Urbilde des Erziehers, und wie es ſich in der wirk-
lichen Menſchenwelt und an einem Menſchenkinde darſtellen laſſe.
(f. Erziehungslehre als Wiſſenſchaft.) Allerdings iſt die Wiſſenſchaft
ein wahrer Geſichtspunkt in der Erziehung, jedoch nur Einer,
und gerade hiebei einer der nachtheiligſten, wenn ext vorherrſchend
wird, weil das Wichtigſte, nämlich die wirkliche Angewöhnung des
Zöglings zum Guten, und die Bewahrung desſelben vor dem Böſen,
in Schatten geſtellt, dagegen die Wiſſenſchaft an's Licht hervorgezo-
gen wird. Während dem dieſe im Glanze auftaucht, taucht jene
mit Thränen unter. Ferner iſt eine ſolche Behandlung auch aus
dem Grunde ſchädlich, weil die bloße Verſiandesbildung ſelbſt ein
neues Düngungsmittel für das aufſchießende Unkraut auf dem Acker
des jungen Alters wird, und weil endlich die falſche Anſicht kanoſitt
oder als Regel aufgeſtellt wird, als wenn aus bloſſen Kenntniſſen
das Gutſeyn und Rechtthun, ohne weitere Richtung des Willens,
von ſich ſelber hervorgehe. Während ſic) das ganze Geſchäft der
jugendlichen Bildung im Elemente des Verſiandes bewegt, wird dies-
ſeibe nur mit dem Endlichen vermählt, indeß der Sinn für das Un-
endliche zerdrückt und davon losgeriſſen wird, Die Kinder des Ver-
ſtandes kommen, vor lauter Verſtand, von aller Vernunft und eben
deßhalb von allem wahren Verſtande ab. Daher die endloſen Schrei-
bereien über die Erziehung, und die geiſt - und und gemüthloſJen
Menſchen ohne alle Erziehung. Wir erſuchen hier den Leſer damit
vergleichen zu wollen, was wir früher äber Erziehung und die hehle
einſeitige Verſtandesbildung an mehrern Stellen angeführt haben,
)Viſſenſchaftiice Schulen. (S. Art. Gelehrte Schu-
len,
Wis (Bildung desſelben.) Unter Wikß verſtehen wir
die Fertigkeit, die feinen und verſte>ten Aehnlichkeiten un-
ter verſchiedenen Dingen leiht und ſchnell aufzufinden, und ſo
das verſchiedenartigſte in einem Urtheil zu verknüpfen, Zz. B.
Gedankenſtriche ſind Furchen ohne Samen, ſind Brücken,
über die Kläfte unähnlicher Materien geſchlagen. Er zeigt ſich um
ſo mehr, je ſchneller und überraſchender er dasjenige gleichſam ſpie-
lend verknüpft, was für den gewöhnlichen Blik in keiner gegenſei-
tigen Beziehung zu ſiehen ſcheint. Sowohl dieſe Anlage ſelbſt, als
auch die heitere Seelenſtimmung in der ſie ihre Wurzel hat, iſt zwar
eine Naturgabe darf aber in der Erziehung keineswegs unberückſichtigt
gelaſſen werden. Sie kann und ſoll wenigſtens den Wil ſo leiten
und ihm die Gränzlinie ſo genau bezeichnen, daß er ſie nie Über-
ſchreite. Wird der Wiß nur dazu angewendet, um wie mit einem

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