Zeitgewinn fär die Lehrgegenſtände. 407
andern hervortreten, und es werden in ſeiner Mitte viel weniger
unmoraliſche Handlungen begaugen werden, So ſchwer es alſo auch
immer ſeyn mag, über den ſittlichen Zuſtand der gegenwärtigen Zeit
ein ganz ſicheres Urtheil zu fällen , weil uns die beſtimmten Kenn-
zeichen mangeln 3; ſo iſt doch immer ſo viel als richtig anzunehmen :
Je mehr ſich ein Volk und ſomit auch der Einzelne in demſelben,
von der Religion entfernt. deſto mehr Spielraum werden die Lei-
denſchaften und unordentlichen Begierden finden , und ſolche Wege
einſchlagen, welche zur Befriedigung derſelben führen. Und der Un-
ſittlihkeit ſind dann Thür und Thor gedffnet, weil das heilige
Band, das den Menſchen mit Gott und ſeinen Willen vereint, zer-
riſſen, und keine äußere Anſtalt ganz im Stande iſt demſelben Scran-
ken zu ſeßen, die er nicht überſchreiten könnte- Was von jeher
den Menſchen wahrhaft gut und weiſe machte, und allein zu ma-
ligion, das ihn mit Gort vereint. Hieraus laſſen ſich unſers Erach-
tens die täglich ſich wiederholenden ſittlichen Verirrungen und Un-
ordnungen bei dem dermaligen Geſchlechte erklären. Dazu kommt
noc< das verderbliche Beiſpiel, das unſerer Jugend täglich und ſtünd-
lich vor Augen ſchwebt, und die Anläſſe aller Art, wobei das junge
Geſchlecht auf Abwege verleitet wird« Und dieß die Frucht des
Zeitgeiſtes, der in unſern Tagen ſein Werk fortſeßt, wenn ſc nicht mehr in ſolcher Steigerung, wie es noch nicht vor langer Zeit
der Fall war. Will alſo der Erzieher ſeinen Zögling vor dem ſitt-
lichen Verderben ſicher ſtellen, ſo beobachte er die oben angegebene
pädagogiſche Regel, und laſſe es ſich vor allem angelegen ſeyn, ſein
Gemüöth für das Heilige zu gewinnen, und dasſelbe von der Reli-
gion zu durchdringen. Es ſey daher ſein erſtes und leßtes Wort:
„Wandle vor Gott und ſey fromm!“ =- Nie laſſe er ſich)
von dem verkehrren Geiſte der Zeit bei ſeinem wichtigen Geſchäfte
irre machen« Und ſo muß auch die religids-ſittliche Bildung der
hdc<ſte und lebte Zweck der Schule ſeyn. =
Zeitgewinn für die Lehrgegenſtände. Es kommt eitt:
zig auf den Lehrer an, Zeit zu gewinnen und zu verlieren. Ex
wird die ndthige Zeit für einen jeden Lehrgegenſtand gewinnen,
wenn er a)keinen Augenblick verſäumt, und mit demſelben endet;
b) wenn er genau auf Ordnung in ſeiner Schule hält, und in alles
Ordnung bringt, was in derſelben geſchieht ; 6) wenn er beim Un-
terrichte ſorgſam überlegt, was und wie ert 'fragen wolle, dabei
alle plan- und zwekloſen Fragen vermeidet und nirgends zu weit
ausholt; d) wenn er hinſichtlich der Gedächtnißaufgaben immer ei-
ner ganzen Abtheilung dieſelbe Aufgabe giebt, und dieſe dann theil-
weiſe von den Kindern herſagen läßt; e) wenn er die Verbeſſerung
der ſchriftlichen Arbeiten auſſer der Schule vornimmt, falls er nicht
etwa ein eigenes Penſum daraus macht; f) wenn er den Unterricht
vereinfacht , d« |. die Lehrgegenſtände ſelbſt auf einen gemeinſamen
Boden zurükfährt z. B. wenn er die meiſten Realgegenſtände und
ſelbſt die Religionslehre, die Geſchichte und den Sprachunterricht

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