Zeitpünktlichkeit, =- Zeller. 409
ders, als bloße Worte leſen, ſelbſt in dem beſten Unterrichte ? =
Angeleitet aus dem lautern Triebe der Liebe zu handeln, wird der
Jüngling das Gebrechliche in änßern Formen der Dinge, und
in den Sitten ſeiner Liebe nicht ſehen, oder ſehend, wie nicht ſehend,
tragen. Angeleitet, wie vor Gott zu leben, und die geheimſten
Regungen ſeines Herzens ſeinem Freunde zu offenbaren, wird er,
durch Gottesfurcht und Aufrichtigkeit ſeines Herzens durd)
Warnungen menſchlicher Weisheit, und dur< unnennbare Füh-
rungen der höchſten Weigheit in den Stand geſekßt werden, den
Verwüſtungen des unbändigſten aller Triebe zu entkommen. Den
größten Vortheil hat der Erzieher errungen, ſobald es ihm gelungen
iſt, das ganze Vertrauen ſeines Zöglings dur Liebe anzufaſſen,
durch Geduld feſtzuhalten, durch Weisheit zu ſichern, durch Klugheit
zu nußen, und durch Wohlthun auf den Tag des Kampfes zu ſtärken.
(Hebr. 13, 17. Matth. 26, 41. 1. Cor, 16, 13. Col. 4, 2, 1c.)
Zeitpünktlichkeit. Dieſe wird bei den Kindern dadurc)
angefacht und erhalten, wenn der Lehrer ſelbſt pünktlich iſt, genau
auf das Kommen der Schüler zur rechten Zeit ſicht, die Feh-
lenden und Zuſpätkommenden gehdrig verzeichnet , darüber wacht,
daß jedes Kind zu rechter Zeit auch aus der Schule nach Haus zu-
rückkehrt, und ſich hinſichtlich ſeiner Bedürfniſſe ſo einrichtet, daß
dadurch keine Zeit verloren geht.
Zeller (Chriſtian Heinrich) badiſcher Schulinſpektor und Di-
rektor der freiwilligen Armen-Schullehrer- und Erziehungsanſtalt zu
Beuggen, geb. 1777 ſtudierte, vorbereitet auf der Schule ſeiner
Vaterſtadt Ludwigsburg, in Tübingen die Rechte mit einem Fleiß
und Erfolg die ihn zu denſelben hohen Staatsämtern befähigte,
die ſeine Zeit- und Studiengenoſſen jekt bekleiden. Dur) die Briefe
ſeines, damals in Brünn lebenden Bruders aber wurde ſein Wunſch
ſich gleichfalls zum Erzieher auszubilden, zum Entſchluß, und er
nahm eine Hofmeiſterſtelle in einem Patrizierhauſe zu Augsburg an,
wo er pünktlich bei dem gewählten Berufe , zwei Jahre lang lebte.
Von hier aus wurde er von einem Familienvereine reicher Kauf-
leute nach St. Gallen berufen, wo er ſechs Jahre lang , geſchäßt
von dieſen und innigſt geliebt von ſeinen zwölf Zöglingen, einer
Privaterziehungsanſtalt vorſtand. Von da nac) Zofingen gerufen
an ein Lehramt, das ſeinem Bruder zugedacht war, der es aber
wegen ſeiner Berufung na) Heilbronn nicht annehmen durfte, blieb
er zwdif Jahre lang erſter Lehrer und Direktor der dortigen höhern
Bürgersſchule, Katechet einer nahen Landgemeinde und Inſpektor
des Schulbezirks Zofingen mit 58 Landſchulen, wurde Schweizerbür-
ger und Gatte einer trefflichen Frau, die zugleich Lehrerin der dor-
tigen Mädchenſchule war. Auch hier geſchäßt und geliebt von Be-
hörden und Eltern, mußte es ſeine fernen Freunde auf's Aeußerſte
überraſchen , als ſie vernahmen, er habe Zofingen verlaſſen, um
(1820) die Einrichtung und Leitung einer Anſtalt zu übernehmen,
die durch freiwillige Beiträge gegründet wurde und bis jekt unter-
halten wird. Beuggen iſt eine badiſche Domaine, vormals Deutſc-

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