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Zergliedern, 411
kann zerlegt oder aufgeldst werden, alſo: a) zuſammengeſeßte Vor-
ſtellungen , ſie mögen entweder ſinnliche, wie z. B. von einer Hütte,
oder reine oder Erfahrungsbegriſſe ſeyn, z. B. Urſache, recht, gut.
--- Menſch , Hoffnung , Liebe u. ſ. w. Derlei Begriffe denken die
Kinder oft dunkel und müſſen ſonach durch das Zergliedern deutlich
gemacht werden. Dieß geſchieht, wenn der Lehrer eine paſſende
Vorſtellung in den Kindern erweckt, z. B, die Unwahrheit reden,
den Eltern ungehorſam ſeyn, zu dem Begriff =- Sünde; wenn
er das den Kindern Bekannte ſo benußt, daß dieſe daraus das Un-
bekannte, daß ſie finden ſollen, ſelbſt einzeln entwickeln, und wenn
er ſie endlich die einzeln gefundenen Merkmale von demſelben zu-
ſammenfaſſen läßt. Oft ſoll aber auch durc< die Zergliederung ein
Sak bewieſen werden. Zu dieſem Falle muß der Lehrer den Kin-
dern ſo viele Theile desjenigen Begriſfs , der den Beweisgrund ent-
hält, als nöthig ſind, zuführen, und ſie dann den Regeln des
Schließens gemäß, den zu beweiſenden Sak daraus herleiten laſſen.
Will der Lehrer den Schülern Begriffe , die ihnen ſchon deutlich
ſind, noch mehr verdeutlichen, oder auch nur erſt ein einzelnes
Merkmal dieſes Begriſfes nennen, dann verweile er bei einer jeden
einzelnen Theilvorſtellung ſo lange , bis er den Kindern durch Hülfe
bekannter Vorſtellungen den Inhalt oder den Umfang des Merk-
mals entwickelt hat. b) Säke, welche katechetiſc) entwickelt wer-
den ſollen, werden entweder vom Lehrer ausgeſprochen, oder ſie
ſind im Lehrbuche aufgeſtellt. Solche Säke können entweder ein-
fache oder zuſammengeſekßte , einzelne für ſich beſtehende oder meh-
rere miteinander verbundene ſeyn. Ein jeder dieſer Säkße wird
theilweiſe zergliedert , erklärt und entwickelt. Iſt das Subjekt be-
kannt , ſo bedarf es keine beſondere Zergliederungsfragen darnach,
und es wird bloß das Prädikat entwickelt. Kommen in einem Sake
Begriffe vor, die den Kindern unbekannt ſind, ſo muß der Lehrer
ſie katechetiſch erzeugen. Diejenigen Begriffe, welche den Kindern
bekannt, aber nicht ganz deutlich) ſind, müſſen durch katechetiſche
Zergliederung deutlich gemacht werden. Der Lehrer führe ſie zu der
Einſicht, ob und warum die ihnen deutlichen oder deutlich gemach-
ten Begriffe, eines Sakes ſich in ein Urtheil zuſammenfaſſen laſ-
ſen. Bei zuſammengeſeßten Sälen lehre er die Kinder die Ver-
bindung einſehen, in welcher die einfachen Säke , worin ein zu-
ſammengeſeßkter Saß aufgeldſet worden iſt, miteinander ſtehen.
Bei einer ganzen Gedankenreihe, bei der Erklärung eines Lehrbuchs
ſoll er ebenfalls den Zuſammenhang der einzelnen Hauptſäße und
Abſchnitte untereinander den Schülern bemerklich machen. Von die-
ſev Gedankenzergliederung muß jedoch die wörtliche Zergliederung
der in einem Lehrbuche aufgeſtellten Säße wohl untetſchieden wer-
den. Der Lehrer, welcher geſchi>t zergliedern will, muß ſeine
Denkkraft ſelbſt fertig brauchen können, er muß die Vorſtellungen,
die er zergliedern will, nicht nur im Ganzen, ſondern auch ihrer
einzelnen Theile bewußt ſeyn, und die zum Grunde liegenden Au-
ſchauungen kennen. (S, auch Art- Wörtliche Zergliederung.)

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