Zeugen, =- Zeugniſſe. 417
gänglich nöthig, und dieß ſchon darum, weil die Ungeduld und die
mißmuthige Miene des Lehrers allein ſchon im Stande iſt, die Auf-
merkſamkeit des Kindes zu ſidren- Aber die Geduld wird ſich ſin
den, ſagt Handel, wenn wir nur recht lebhaft daran denken wol-
len, wie Vieles in der Seele des Kind«s8 vorgeht, was wir nicht
ſehen und nicht ahnen, welche Eindrücke und Bilder es aus der
Auſſenwelt in die Schule mitbringt, die in ſeiner Seele nod) fort-
dauern und ſeine Einbildungskraft beſchäftigen. Ein Schreck, ein
gehabtes Vergnügen, von dem es ſich trennen mußte, eine verſpro-
danken können ſich ſeiner ſo bemächtigen, daß es den Unterrichts:
gegenſtand bald nur halb, bald gar nicht auffaßt. = Eine ſolc Zerſtreuung Einzelner iſt in einer Schule voll Kinder oft kaum be-
merkbar 3; wo ſie aber der Lehrer bemerkt, da kann er nichts Beſ-
jeres thun, als bezüglich auf den Gegenſtand, den er vorhat, öfters
ſolche Fragen an ein zerſtreutes Kind richten, die es leicht beant-
worten kann, oder es wohl auch anzureden ? „„Was habe ich jeht
gefragt 16. und wenn es die Frage nicht weis, ſie durch ein ande-
res Kind ihm vorſagen zu laſſen, und es ſo unvermerkt in den Ge-
genſtand herein zu ziehen, Dieſes Verhalten des Lehrers in Be-
ziehung auf die Zerſtreuung der Kinder in der Schule, ſollte unſers
Erachtens den Zweck wohl nicht verfehlen, wenigſtens bürgt die Er-
fahrung genugſam dafär. Luc, 11, 23.) (S. auch Art, Flatter:
haftigkeit und Gedankenloſigkeit.)
Zeugen. (S. Art. Verhör.)
Zeugniſſe. Wenn es für Schulen ein nothwendiges Hülfsmit:
tel der Disciplin und die einzige Art der Verbindung zwiſchen
Schule und Haus iſt, den Schülern monatliche oder vierteljährige
Zeugniſſe über Betragen, Fleiß und Fortſchritte im Lernen auszu-
ſtellen 3 ſo iſt es für die häusliche Erziehung wenigſtens ein nüßli-
fluß. Abgeſehen davon, daß eine ſolche divciplinariſche Einrichtung
dem Geſchäft des Erziehers einen höhern Charakter des Ernſtes
und der Würde in ſeiner Stellung zu den übrigen Mitgliedern des
Hauſes giebt, und daß dadurch die äußere Regelmäßigkeit und Ord-
nung des Zöglings befördert wird, knüpft fie auch in denjenigen
Familien, wo Eltern durch Berufs- und häusliche Geſchäfte von
der engern Theilnahme an dem guten Fortgange der Erziehung ihrer
Kinder abgehalten werden, und ſeltener in ungeſtörte Berührung
mit dem Erzieher ſelbſt kommen, das lokere Band zwiſchen beiden
Theilen etwas feſter, und wird Veranlaſſung zu gegenſeitigen müund-
lichen Mittheilungen, Verabredungen und Beſchlüſſen, die das Wohl
der Kinder befördern und das gegenſeitige perſönliche Vertrauen
befeſtigen, Wenn der Erzieher ein Buch hält, in welchem er, nach
beſondern Rubriken, ſeine täglichen Urtheile über die Führung ſei-
nes Zöglings niederlegt, woraus er am Ende einer Woche oder
eines Monats 16. ein Facit zieht, ſo iſt dieſes Protokoll zugleich
ein ſehr nübliches Tag- und Erinnerungsbuch für ſeinen Zögling,
Univerſ. Lexikon, 3ter Band, 27

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