413 Ziel der Gewöhnung«
das er, falls ein Anderer nach ihm ſeine Stelle einnimmt, als
einen Beweis ſeiner ernſten und pflichtmäßigen Fährung, demjeni-
gen übergeben kann, der fremd mit den Verhältniſſen des Hauſes
und unbekannt mit dem Charakter des ihm anvertrauten Kindes,
auf den von ihm gelegten Grund fortbauen ſoll. Nur vermeide der
Erzieher bei der Form ſeiner Urtheile, ſo viel als möglich, die weit“
ſchichtigen und am Ende nichts ſagenden Ausdrücke: „ziemlich gut,
ſchlecht , idblich, tadelhaſt'', die dem Leſer nur unbeſtimmt, dem
Zögling nicht lehrreich ſeyn können, Der Charakter des Urtheils
ſey : Unparteilichkeit, pſychologiſche Wahrheit, Humanität und Ge-
nauigkeit, Unter dieſen Bedingungen wird das Zeugniß zugleich
ein wahres Bildungs - und Beſſerungsmittel für den Zögling feyn.
(Joh. 21, 24. Röm, 9, 1. 2. Cor, 1, 12.)
Ziel der Gewdhnnng. Die Angewöhnungen der Kinder
ſollen ihren wohlthätigen Einfluß auf ſie dadurch behaupten, daß
ſie nach und nach Tugend werden, indem ſie, da ſie an ſich nur
Geſekmäßigkeit erzeugen, in das innere Weſen der Kinder und in
den Kreis der Freiheit, als Keim des Beſſern, übergehen, Tugend
iſt, ſofern ſie aus dem Glauben und Gehorſam gegen Gott kommt,
das Höchſte , die Blüthe alles Sittlichen im Menſchen, da ſie durd)
die unbedingte freie Wahl des Guten und die Feſtigkeit darin allein
möglich wird, Ihre Begründung ſollte als das Endziel der Er-
ziehung lebendig vor dem Erzieher ſtehen. Doch nicht nur der ve-
reitwillige Entj Geſetze befohlen hat, ſondern auch die Beſtändigkeit in dem Ent-
ſchluſſe, bezeichnet den wahrhaft Tugendhaften. Sind ſich die
Kinder deſſen bewußt, daß ſie dem Himmel angehdren, und
ihre Kraft durch eine höhere unterſtüßt werde, um allem wider?
ſtehen zu können, was der Tugend hinderlich wird, dann wird
jedex Sieg über die Sinnlichkeit und die ſelbſtſüchtige Neigung
nur ihr ſüßes Bewußtſeyn erhöhen , daß ſie ihrer Beſtimmung wie-
der um einen Schritt näher gekommen, und der Gemeinſchaft mit
Gotr würdiger geworden ſeyenw, Sie werden dann aber auc den
Feind ihrer Tugend und Unſchuld nicht aus dem Auge verlieren und
Muth beſißen, ihn anzugreifen und zu bewältigen. Es iſt kein ge-
ringer Fehler, wenn der Lehrer hiebei ſeine Aufmerkſamkeit und
Wachſamkeit nur ſo lange auf die Jugend richtet, ſo lange ſie vor
ihm iſt. Die Bildung, ſagt Nebe, zur Tugend läßt keine Ab-
trennung auf irgend eine gegebene Zeit und auf beſondere Verhält*
niſſe zu. Auch in dem häusli ſoll das Gute aus freiem Triebe geübt werden, Daß es dahin
komme und alſo nicht bloß vor den Augen des Lehrers ſo ſ darauf iſt die geſammte Beobachtung der Jugend zu richten. Das
Intereſſe für ein Beſſerwerden muß entweder fortwährend das Ge-
müth beſchäftigen, oder es iſt keines, Die Jugend bteibt nicht im-
mer Jugend, und das Alter der Möuündigkeit darf bei dem Streben
des Erziehers nicht aus dem Blicke verſchwinden. Was in der JIu-
gend das Gedeihen des Guten erſchwert, erſchwert es für das ganze

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.