Zucht, häusliche. 421
ſanfte Rudolph und der zornige Wilhelm“, als Gegenſtä> zu Chr.
Schmids Erzählung ; „,Der gute Fridolin und der böſe Diedrich.“
Herausgegeben von dem Verfaſſer der Theodolinde. Mit 1 Tit. K.
Bamberg bei I. C. Dreſch. 1837. (Luc. 9, 51-56.) S. Art.
Sanftmuth,
Zucht, häusliche. Zucht muß im Hauſe unter den Kindern
herrſchen , und der Vater iſt von Gott dazu beſtellt, ſie handzuha-
ven. Wenn in einem Hauſe die Zucht vermißt würde, wie traurig
müßte es darin ausſehen ! doch verſteht ſich nicht jeder Vater darauf,
die rechte Mitte, (le justs milieu, wie es die Franzoſen nennen)
zwiſchen Ernſt und Freundlichkeit, zwiſchen Milde und Strenge zu
halten, Wenige verſtehen ſich darauf; denn bald ſind ſie zu ſtreng
und ernſt, bald zu milde und herablaſſend, wobei durch das Eine
even ſo viel verdorben wird, als durch das Andere. Alles zu rech-
ter Zeit, ernſt und freundlich, ſtreng und milde. =- Das gehört
zur wahren Zucht, und nur durch dieſe wird etwas ausgerichtet. ==
Die Väter ſollen nicht ſc Kinder ſeyn. Die Kinder ſollen weder Sklaven noch Herrn ſeyn,
Nicht die Laune darf hier beſtimmen und ihre Stimmung geltend
machen. Hat die väterliche Nachſicht das höchſte Ziel erreicht und
nichts bewirkt, dann muß die Strenge unnachſichtlich eintreten und
ihre Rechte behaupten. Und ſollte es auch noch ſo hart ankommen,
ſo darf davon doch) nicht abgegangen werden. Nie darf aus dem
Auge gelaſſen werden: „Ohne Zucht -- keine Erziehung,“
Kinder wollen anders behandelt ſeyn, als Erwachſene, und ſinnliche
Menſchen anders als vernünftigfreie. Sinnliche Erziehungsmittel
müſſen nothwendig für den ſinnlichen Menſchen angewendet werden.
Gott hat ſie ja unter Menſc nen Verheißungen und Drohungen, in ſeinen Belohnungen und
Strafen. Er erſchien dem ſinnlichen Menſchen, redete mit ihm,
verhieß ihm ein gutes Land, zahlreiche Nachkommenſchaft , machte
einen Bund mit ihm und beſtättigte ihn durc) in die Sinne ſal-
lende Zeichen. Dieſe Behandlung gehörte für den noch ſinnlichen
Menſchen. Kinder können, ſagt Lavater, nicht ohne Ruthe,
aber auch nicht ohne irgend eine Lockſpeiſe erzogen werden, Leider
iſt in den wenigſten Häuſern eine gute Zucht anzutreffen. Wäre in
allen Häuſern eine gute, bald ein beſſeres Geſchlecht aufblähen! =- Die Kinder ſind an und
für ſich nicht fern vom Reiche Gottes. Das Vaterhaus aber ſoll
ihnen die Pforte zum Himmelreiche werden, und die Eltern ſind
die Pförtner, von Gott berufen, dem Herzen das Himmelreich,
und das Herz dem Himmelreiche aufzuſchließen. Vaterweisheit und
Mutterliebe und Sorgfalt ſind die ſchüßenden Engel , welche die
zarte Pflanze des Kinderlebens bewahren ſollen vor dem Gifthauche
des Verderbens. Das aber iſt gerade das Meiſterſtä> der häus-
lichen Zucht, Daß unſere Altvordern hierinfalls in vielfacher Bes
ziehung die jebigen Eltern weit übertroffen haben, dürfte wohl kei-
nem Zweifel unterworfen ſeyn, wenn wir gleichwohl ihre Zucht nicht

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