422 Züchtigung, körperliche.
allſeitig vechtfertigen können oder wollen. So viel iſt aber unbe-
ſtreitbar richtig, daß ihre häusliche Zucht ungleich beſſer beſtellt war,
als ſie es in unſern Tagen iſt, =- Immer iſt und bleibt das Haus
die Vorſchule, aus der die Kinder in die eigentliche Schule überge-
hen; was dort angefangen wurde, ſoll hier der Vollendung näher
gebracht werden. Iſt die häusliche Zucht gut, dann kommen die
Kinder deſto beſſer vorbereitet in die Schule. Es iſt ſchon gefehlt,
wenn die Schule nachholen oder gut machen muß, was das Haus
verſäumt und verdorben hat. Was verdorben iſt, läßt ſich nicht
immer wieder gut machen, und was verſäumt iſt, nicht leicht wie-
der einbringen 1e. Wenigſtens iſt der Nachtheil des Zurückbleibens
und Verſpätens nicht zu umgehen. Soll nun die Schule nicht die
Anklägerin dev Eltern werden, ſo ſollen ſie ihre Schuldigkeit und
ihre heiligen Pflichten gegen ihre Kinder zu erfüllen ſuchen und
wirklich in jeder Beziehung erfüllen, *) (1. Moß. 6, 5. 7. Pſ-. 49,
17. Spr, 6, 23. 8, 10. 10, 17. 23. Sir. 22, 15. 30,2.
Epheſ. 6, 4.)
Züchtigung, körperliche. Der Lehrer ſey mäßig und ge-
vecht im Züchtigen. Dieſe pädagogiſche Regel darf der Lehrer nie
'aus dem Auge laſſen, wenn er weder ſich, noc) den Kindern Na<-
theile zuführen will, Die Strafe darf eben ſo wenig eine Mißi-
handlung ſeyn, als einen Unverdienten treffen. Woexr ſie erhält,
muß ſie verdient haben. Einem jeden ſoll vergolten werden nach ſeinen
Werken. Nie darf der Lehrer ſtrafen, um ſeine Leidenſchaft zu befriedi-
gen, ſondern um den Schüler zu beſſern 3; auch ſoll er nicht leidenſchaft-
lich ſondern mit Ruhe ſtrafen. **) Der Leidenſchaftliche und Zornige,
ſagt Victorin, kann Nichts der Billigung Würdiges ſprechen und thun.
Fügt der Lehrer durch Mißhandlung einem Kinde Schaden zu, ſo über-
ſchreitet er ſeine Befugniß, und macht ſich dadurch ſelbſt ſtraffällig. Eine
Strafe kann noch beſſern, aber eine Mißhandlung nie. Noch verderblicher
iſt es, wenn der belohnt wird, welcher Strafe, und der beſtraft wird,
welcher Belohnung verdient. Darum nur immer mäßig und gerecht
im Strafen! --- Ein Jeder werde geſtraft, um ſeiner Sünde willen.
Des Vaters oder der Mutter Schuld werde nicht auf das Kind,

8%) Wir verweiſen hier den Leſer auf unſere Schrift: „Das Reich Gottes
in Bildern und Gleichniſſen 2c. (bei Kupferberg, Mainz 1837), wo wir
dieſen wichtigen Gegenſtand von S, 685-=-704 ausführlich behandelt und
die Gebrechen der häuslichen Zucht umſtändlich nachgewieſen haben.
**) Prohibenda autem maxime est ira in puniendo, Nunquam enim
iratus, qui ad poenam accedat, mediocritatem illam tenebit, quae
est inter nimium et parum, Cie, do Offic, 1, 1. Cap, 23. et Cap.
38, Sed tamen ira procul abit, cum qua nibil recte ſieri, nihil con-
Siderate possit, =- qidoppooUyn vip durum. 11.9 v. 256. (Im Strafen
darf der Zorn nicht ſtattfinden, denn nie wird der Zornige, wenn er zur
Strafe ſchreitet, das rec ten. FYern ſey aller Zorn, indem damit nichts Rechtes und Beſonnenes
geſchehen kann. Freundliche Behandlung richtet ungleich mehr aus)

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