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Ueberlaſſen --- Ueberlegenheit. 59
unmöglich zu machen, und wir denken gewiß zu wenig daran, daß
dieſer entmuthigende Gedanke vielleicht allein in der Seele des Kin
des zum Grunde liegt, wenn oft ein Gegenſtand ihm ſchlechterdings
nicht in den Kopf gehen will. = Einen ſolchen Gedanken ſollte nun
der Lehrer in einem Kinde nie auftauchen laſſen, was er nur da-
durc< verhüten wird , wenn er den Kindern nicht zu viel auf Cin-
mal giebt. Ein Maurer legt an ſeinem Mauerwerke jeden einzel-
nen Stein recht feſt, ehe er weiter darauf baut, wollte er das nicht,
oder wollte er eine Anzahl Steine aufeinander legen, ohne jeden
einzelnen mit Mörtel zu befeſtigen, ſo würde ſeine Mauer zuſam-
menſtürzen , oder wenigſtens ein weiterer Aufbau alles Haltes et*
mangeln. Daſſelbe gilt bezichungsweiſe auf jedes Lehrgebäude 3 es
iſt als ob das, was wir bereits daran gebaut haben, dem zum Halte
und zur Stüke diente, was wir noc< bauen wollen, Jedes Cinzelne
bedarf der gehdrigen Befeſtigung, wenn es nicht allein für fich feſt-
liegen , ſondern auch dem weiter Aufgebauten eine haltbare Unter-
lage ſeyn ſoll. Wir wiederholen es alſo noc gebe nicht zu viel, und lege den Kindern keine Laſten auf, die ſie
nicht zu tragen im Stande ſind,“
Ueberlaſſen =- die Kinder ſich ſelbſt. (S,. Art,
Schwärmerei.)
Ueberlegenheit. Kinder von lebhafter Naturart müſſen
zur pünktlichſten Folgſamkeit angehalten werden, Wo der Vater
oder die Mutter ihren Willen ausſprecen, da müſſen ſie bei ihrem
Ja oder Nein unbeweglich und felſenfeſt ſtehen bleiben. Nie dür-
fen ſie ſich unſchlüſſig in dem zeigen, was ſie ihm befehlen, oder
von ihm gethan wiſſen wollen , Nichts ſollen ſic ſeinem Willen frei
ſtellen , was ſein Verſtand noch nicht als recht und nothwendig ein-
zuſchen vermag. Es darf bei ihm kein anderer Gedanken aufkom:-
men, als der: „„Es muß ſo ſeyn, die Eltern wollen es.““ Oft
wird ein ernſtes Wort aus dem Munde des Vaters am rechten Orte
ſeyn , da es ſich ohnehin nicht leicht einſchüchtern läßt. Hier iſt es
nöthig , daß Eltern in einem Kinde der Art kein Gefühl der Ueber-
legenheit über ſie aufkommen laſſen, weil dieß ſonſt künftig die
Quelle des Ungehorſams, des Widerſpruchs und der Anmaßung
würde. Auch ſollen Eltern nicht zugeben, daß es ſich gegen die
Dienſtbothen gebieteriſch zeige- Frühe ſchon und auch ſpäterhin,
und ſo lange es ſich unter der unmittelbaren elterlichen Gewalt be-
findet , muß es wiſſen, daß es noch nichts zu befehlen habe. Vor-
züglich müſſen Eltern über das Ehrgefühl eines ſolc ſam ſeyn. Zwar müſſen ſie ihm auf der einen Seite ſeine Vorzüge
und ſein Selbſtgefühl nicht verkümmern, aber do) nur immer dem
den Vorzug geben, was als Erzeugniß ſeines guten Willens zu be-
trachten iſt. In Beziehung auf ſeine überwiegende leibliche und
geiſtige Kraft, ja ſelbſt auf die Vorzüge feiner Kenntniſſe und Ein-
ſichten darf nur in dem Maaß Werth gelegt werden, als ſie mehr
oder weniger aus angewandtem Fleiße hervorgegangen find. Jedoch
muß man ſelbſt bei ſeiner Willensthätigkeit auf den Grund Rückſicht

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