5656 Umändern -- Umgang des Lehrers mit den Kindern.
ſonſt in der Bildung höherſtehende Perſonen bei ihren ſchriftlichen
Ausarbeitungen zu Rathe ziehen, und deren Beurtheilungen ſorgſam
benuben. = Mit den Uebungen im ſchriftlichen Gedankenvortrage
müſſen jüngere Lehrer aber auch Uebungen im mündlichen Ausdrucke
verbinden. Denn nichts iſt für den Lehrer, der durch das lebendige
Wort auf Andere wirken will, ſo nothwendig, als daß er im Stande
ſey, ſich mündlich beſtimmt und fertig auszudrücken. Hiezu em?
pfehlen ſich ganz beſonders das dftere laute Vorleſen ſelbſt verfertig:
ter Aufſäße , und ausdru>svolles Recitiren genau und richtig aufge“
faßter fremder Geiſteserzeugniſſe. Durch das laute und ausdrucks7
volle Vorleſen der ſelbſt gefertigten Arbeiten wird man in den Stand
geſeßt, die gemachten Fehler leichter wahrzunehmen und zugleich die
Sprache zu vervollkommnen. So wird auch durch das Auswendig-
lernen und Herſagen ſchöner Erzählungen, Parabeln, wie z. B. der
Krummacher'ſchen 26. nicht nur das Gedächtniß, dieſe Schaßkammer
unſerer Kenntniſſe , ungemein bereichert und die Einbildung durch
einen edlen Stoff genährt, ſondern auch der freie und kräſtige
mündliche Vortrag ſehr befördert. Nicht minder angemeſſen und
der Sache förderlich dürfte es jeyn, wenn angehende Lehrer ſich mit
edlen und gebildeten Freunden verbinden würden, um ſich gegenſei-
tig ihre Ausarbeitungen vorzuleſen, die ndthigen Ausſtellungen mit:
zutheilen und in der Kunſt des mündlichen Vortrages zu üben.
Damit könnten auch Verſuche gemacht werden, über aufgegebene
Gegenſtände auf der Stelle und ohne lange Vorbereitung im
Zuſammenhange richtig und ſchön zu ſprechen. == Nur dur)
fortgeſekte Schreib - und Redetübungen werden Lehrer des Geiſtes
dex Sprache mächtig werden, einen freien, fließenden und ergrei“
fenden Vortrag ſich aneignen und es endlich dahin bringen, daß ſie
ſich . auc) ohne lange und müheſame Vorbereitung in und auſſer den
Lehrſtunden richtig, geläufig und ſchön auszudrücken vermögen. =
Für die Vervollkommnung im mündlichen und ſchriftlichen Vortrage
empfehlen wir namentlich den angehenden Schullehrern folgende
Schriften? Chr. Schmids Jugendblüthen, Krummachers
Parabeln; den mars neue Weizenkörner für junge Herzen, und A;
Hungaris Chriſtodora,.
ÜUmsndern. (verbeſſern, reformiren.) S«- Art, SHulveyr-
beſſerungen.)
“Umgang des Lehrers mit den Kindern. Der Umgang
des Lehrers mit ſeinen Kindern ſoll für ſie eine beſtändige Schule
der Weisheit, Tugend und Frömmigkeit ſeyn. Vorerſt muß alles
übellaunige , verdrießliche, wunderliche und mürriſche Weſen vermie-
den werden. Wie in Familien, wo man dem Uebellaunigen faſt
keine andern Waſfen entgegenſeßt, als die, gleichſam wie er ſelbſt
zu ſeyn, und Verſtimmungen durch Verſtimmungen zu bezahlen; jo
giebt es auch nicht ſelten Lehrer, die ein gleiches Verhältniß zwi-
fchen ſich und den Kindern nachweiyen laſſen, ſo daß von den grö:
jern bis zu den kleinſien Schülern herab ein allgemeiner Mißton

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